Merkwürdig komödiantisches Spektakel

Merkwürdig komödiantisches Spektakel
Kritik zum Tatort “Murot und das Murmeltier”
ARD/HR Tatort “Murot und das Murmeltier”: LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur, li.) hat die Nase voll und verschafft sicht Zutritt zu der Wohnung einer Verdächtigen – die Kettensäge weckt allerdings das Misstrauen eines Nachbarn (Jens Wawrczeck). (Foto: HR/Bettina Müller)

Was wollte uns Drehbuchautor Dietrich Brüggemann, der auch Regie führte und für die ausgesprochen gute Musik sorgte, mit dem Tatort „Murot und das Murmeltier“ denn nun eigentlich erzählen? Die längst bekannte Geschichte von dem sich immer wiederholenden Alltag kann es nicht gewesen sein, die hätte niemanden zu Begeisterungsstürmen veranlasst. Eine Kriminalgeschichte wohl auch nicht, dazu fehlten schlicht sämtliche Zutaten. Je länger man darüber nachdenkt, um so eher wird deutlich, dass uns der Autor vielleicht einfach nur unterhalten wollte mit seinem merkwürdig komödiantischen Spektakel aus der Ecke Comedy und Slapstick. Wer erschießt schon seinen Wecker oder springt mit einem derart hässlichen Pyjama aus dem Fenster oder geht im Bademantel in einen Baumarkt?

Nein, es kann sich nur um einen Witz gehandelt haben, denn mehr gab Murots Murmeltiertag gewiss nicht her. Wer es komisch findet, wenn Leute reihenweise ohne besonderen Grund in einer Endlosschleife einfach abgeknallt werden, mag mit diesem Tatort auf seine Kosten gekommen sein. Die wahren Krimifreunde aber blieben – wieder einmal – auf der Strecke. So etwas ähnliches wie Spannung erzeugte vielleicht der Umstand, dass man nie genau wusste, was Felix Murot (Ulrich Tukur) in der nächsten Fassung seines Albtraums tun würde. Er ballerte jedesmal munter drauf los, auf seinen musikliebenden Nachbarn zum Beispiel, den vermeintlichen Bankräuber und Geiselnehmer (Christian Ehrich), der eigentlich gar nichts wollte und dessen jugendliche Komplizin (Nadine Dubois) mit Armbrust, die auch nicht wirklich ins Geschehen passte. Murots Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) war zur Statistin degradiert, genau wie alle anderen Beteiligten nichts weiter als Staffage waren. Je länger der Albtraum dauerte, um so mehr musste man befürchten, dass der LKA-Ermittler sich und anderen ernsthaft schadet, schließlich konnte er gar nicht wissen, wann denn nun ein neuer Tag mit neuem Geschehen angebrochen war, dazu war der jeweilige Auftakt zum Murmeltiertag einfach zu unterschiedlich. 

Das alles kann gefallen, als eigenständiger Film vielleicht, als Tatort aber eher nicht! Für Experimente gibt es genug Reihen auch in der ARD – der Filmmittwoch zum Beispiel. Dort hätte ein solcher Film auch mit dem großartigen Ulrich Tukur in der Hauptrolle gewiss einen würdigen Rahmen gefunden. Der Tatort aber sollte den Verantwortlichen für derartige Experimente doch eigentlich viel zu schade sein! /sis

Strafversetzt nach Göttingen

Strafversetzt nach Göttingen
Kritik zum Tatort „Das verschwundene Kind“
 NRD-Tatort “Das verschwundene Kind”: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anais Schmitz (Florence Kasumba) (Foto: NDR/Christine Schroeder)

Ob man den beiden Klasseschauspielerinnen Maria Furtwängler und Florence Kasumba mit den Rollen des Ermittlerduos Charlotte Lindholm/ Anais Schmitz einen Gefallen getan hat, darf bezweifelt werden. Zu krass ist nicht nur der optische Unterschied. Auch die aggressiven Ausraster der neuen Tatort-Ermittlerin mit dem schwermütigen Blick, die bereits in unzähligen Tatorten in ganz unterschiedlichen Rollen zu sehen war, können weder als lustig noch als integrationsförderlich bezeichnet werden, ganz im Gegenteil! Eine Kollegin zu ohrfeigen geht gar nicht – nie und unter keinen Umständen und schon gar nicht im öffentlich-rechtlichen Bildungsfernsehen. In diesem Tatort konnte die Kommissarin sogar ungerügt auch auf Verdächtige losgehen und der ohnehin merkwürdig ironische Chef schwieg dazu. Unerträglich!

Abgesehen davon war aber die Geschichte über eine bis zum letzten Augenblick verdrängte Schwangerschaft und dem letztlich in einer Mülltonne aufgefundenen Neugeborenen durchaus „Tatort-würdig“ mit einigen sehr bedrückenden Bildern, die man in den ansonsten unaufgeregten Krimis deutscher Machart zum Glück eher seltener sieht. Nur leider wurden in „Das verschwundene Kind“ zu viele Verdächtige mit zu vielen unterschiedlichen Motiven vorgeführt, deren Aufspüren und Vernehmen die an sich klug kombinierte Story der Drehbuchautoren Franziska Buch, Jan Braren und Stefan Dähnert unnötig in die Länge zogen. Die damit verbundenen häufigen Schauplatz- und Perspektivwechsel sorgten deshalb auch nicht für spannendes Tempo, sondern eher für ausgedehnte Strecken gepflegter Langeweile. Die Auflösung am Ende kam dann genauso überraschend wie das bis dahin erste und einzige Lächeln der beiden Kommissarinnen, die ansonsten stur und wenig ansprechend in ihrem Zickenkrieg verharrten. Das, was die LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm bisher ausgemacht hat, ihr untrügliches Gespür für Menschen und Motive und ihr etwas chaotisches Privatleben blieben diesmal gänzlich auf der Strecke. Leider! /sis

Spannender Tatort, wenn auch mit einigen Schwächen

Spannender Tatort, wenn auch mit einigen Schwächen
Aktuelle Kritik zum Tatort „Treibjagd“ aus Hamburg
Tatort “Treibjagd”: Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) sind bestürzt: Sie kannten den getöteten Einbrecher. (Foto: NDR/Christine Schroeder)

Zwei schwergewichtige Themen griff der Tatort aus Hamburg mit dem Titel „Treibjagd“ auf: Selbstjustiz und die Macht der Sozialen Netzwerke. Und von Anfang an stand die Frage im Raum, wer denn über die größere kriminelle Energie verfügt, das jugendliche Einbrecherduo oder die nicht zu Unrecht wütende Nachbarschaft. Jedenfalls stellte sich am Ende heraus, dass die Wutbürger zumindest noch einen letzten Funken von Skrupel besaßen, während die junge Räuberbraut Maja Kristeva (Michelle Barthel) ohne mit der Wimper zu zucken ihrem Rachebedürfnis freien Lauf ließ. Und damit belehrte sie die Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz), die in diesem Fall eine Sonderkommission gegen organisierte Einbruchbanden unterstützten, eines Besseren: Es handelte sich bei den beiden mit nichten um bedauernswerte Jugendliche, die nur in schlechte Gesellschaft geraten waren, sondern um ein hochkriminelles Verbrecherpärchen einer osteuropäischen Einbrecherbande, die den Bürgern des Hamburger Stadtteils das Leben mehr als schwer machten. Von daher mutete das von Falke offen zur Schau gestellte Mitgefühl für das Einbrecherduo bei den Zuschauern doch recht seltsam an. Hier standen sich nicht Täter und Opfer gegenüber, sondern ziemlich gewaltbereite Täter auf beiden Seiten. Etwas mehr Neutralität hätte der Story deshalb keinen Abbruch getan, selbst wenn man Falkes Schuldgefühle nachvollziehen konnte. Und dann war da noch Falkes Sprachniveau, das unangenehm auffiel. Auf der einen Seite führten uns die Drehbuchautoren Benjamin Hessler und Florian Oeller die Hasstiraden im Netz vor, wie sie entstehen, sich verbreiten und was sie bewirken und gleichzeitig reduzierten sie die Gefühlsäußerungen ihres Hauptdarstellers auf ein Wort, das man schon Kleinkinder verbietet. Hier sollte die ARD doch ihrem Bildungsauftrag gerecht werden – einmal „Scheiße“ pro Tatort reicht, auch für einen Thorsten Falke alias Wotan Wilke Möhring – schimpfen kann man auch niveauvoller!

Alles in allem war der Tatort aber dennoch in weiten Teilen recht spannend trotz der vielen Nachlässigkeiten. So suggeriert der Titel „Treibjagd“ ein Großaufgebot an Mensch und Maschine, die eben nicht zum Einsatz kamen. Es handelte sich eher um einen Hindernislauf zwei gegen zwei, da halfen auch die beiden Hunde nicht, deren Spürnase dann noch nicht einmal vertraut wurde. Fraglich war auch, wie die verletzte Einbrecherin unbemerkt an sechs Hunden auf einem offenen Gelände vorbeigekommen sein soll. Und auch die Motivation für den ersten Mord, der die Geschichte ja erst in Gang setzte, scheint mehr als dürftig: Reicht ein Gespräch unter Nachbarn über eine inszenierte Notwehr aus, um einen – wenn auch auf den ersten Blick recht unsympathischen – Bürger zum Mörder zu machen? Und ob Geschwisterliebe – oder Loyalität, wie es im Film hieß – tatsächlich so weit gehen würde, eine unliebsame Zeugin aus dem Weg zu räumen? Das darf doch getrost bezweifelt werden.  /sis

Mit Wiener Charme und Herzlichkeit

Mit Wiener Charme und Herzlichkeit
ARD-Tatort: “Her mit der Marie!”: Schritt für Schritt arbeiten sich Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) voran. (Foto: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican)
Aktuelle Kritik zum Tatort Wien – “Her mit der Marie!”

Das war doch endlich wieder ein Tatort, wie ihn sich echte Krimifreunde wünschen: Spannungsgeladen mit viel Tempo und sogar einer „dunkelgelben“ Verwarnung für das geniale Kommissarsduo Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Die beiden gingen mit viel Logik an den markanten Mordfall, führten dem Zuschauer das oft mühselige Ermittlerleben vor und wussten ganz nebenbei mit viel Wiener Charme zu überzeugen. Einziger Wehrmutstropfen vielleicht, dass der Wiener Dialekt zwar erfrischend herzlich klingt, aber für Nicht-Wiener nicht unbedingt immer zu verstehen ist. So mancher hat sich bestimmt Untertitel gewünscht. Obwohl die nicht wirklich nötig waren, denn die Geschichte war selbsterklärend. So ließ sich schon recht früh erahnen, dass Bibis Busenfreund Inkasso Heinzi (hervorragender Simon Schwarz) und sein „Gschbusi“ Pico (Christopher Schärf) tief in die Machenschaften des Großkriminellen Dokta (Erwin Steinhauer) und damit den Mordfall verstrickt sein mussten.

Trotzdem ist den Drehbuchautoren Stefan Hafner und Thomas Weingartner hier eine hinreißende Geschichte gelungen mit einem trockenen Humor, den man sonst nur von britischen Krimis kennt. Nicht ganz in dieses perfekte Bild bester Sonntagabend-Unterhaltung passt indes der Versuch, die bisher so siegessicher abstinente Bibi Fellner zurück an die Flasche zu bringen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Macher des Wiener Tatorts hier nicht an eine Charakterweiterentwicklung wagen, die die Zuschauer vermutlich eher nicht mögen werden. Gewiss will kein Fan der Tatorte aus Wien erneut eine betrunken-torkelnde Bibi Fellner sehen!

Ganz am Rande stellt sich natürlich noch die Frage, woher der Begriff “Marie” für eine – eher größere – Geldsummer kommt. Es soll sich dabei um eine volkstümliche Redensart handeln, deren Herkunft offenbar nicht gänzlich geklärt ist. Die österreichische Sprachwissenschafterin, Dialektologin und Namensforscherin Maria Hornung vermutete einen Zusammenhang mit dem Maria-Theresien-Taler. Das klingt doch recht plausibel. Falls es jemand genauer weiß: her damit! /sis

ARD-Tatort – “Her mit der Marie! “: Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Manfred Schimpf (Thomas Stipsits) am Fundort der Leiche. (Foto: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican)

Nichts als trübe Kloßbrühe

Nichts als trübe Kloßbrühe
Der Tatort aus Weimar: Die robuste Roswita – aus Sicht eines Tatort-Fans
ARD/MDR Tatort “Die robuste Roswita”: Die Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) beauftragen Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) mit einem DNA-Abgleich. Foto: MDR/Wiedemann und Berg/Anke Neugebauer

Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich auch beim inzwischen siebten Tatort aus Weimar „Die robuste Roswita“ nicht um einen spannenden Krimi, sondern wieder einmal nur um derben Klamauk. Witzig soll es sein mit den Kommissaren Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen), den absoluten Nuschelkönigen unter den Tatortkommissaren. Kommissarin Dorn ist die Lässigkeit in Person, und darum ist es auch nicht weiter schlimm, wenn sie – und mit ihr alle Zuschauer – den Vornamen ihres Besserwisser-Ehemannes noch immer nicht kennt. Außerdem sieht sie unter ihrem aufgebauschten Parka aus, als wäre sie schon wieder schwanger. Vielleicht gab es ja deswegen absolut keine Neuigkeiten aus dem Eheleben von Dorn und Lessing und das ist doch an sich äußerst verdächtig!

Aber wie gesagt, es ging hier nicht um Nerven kitzelnde Krimispannung, sondern um ein weiteres Schelmenstück aus Weimar, gedacht einzig und allein als Plattform für die vermeintlich geistreich-humorigen Dialoge, die der Zuschauer aber wegen der extrem nachlässigen Aussprache der beiden Hauptdarsteller zum größten Teil schon rein akustisch nicht verstand.

Nach der Wurst kreiste die Geschichte nun um Thüringer Klöße in idyllischer Dorfumgebung mit Kartoffelacker und Supermarkt. Dem interessierten Zuschauer wurden zwei eigenwillige Pärchen präsentiert, beide hochgradig verdächtig, den Kloßfabrikchef Hassenzahl ermordet und zu Granulat verarbeitet zu haben: Kartoffelbauer Thomas Halupczok (Jörn Hentschel) und die Supermarkt-Chefeinkäuferin Marion Kretschmar (Anne Schäfer) sowie die im wahrsten Wortsinn „auf den Kopf gefallene“ und bis dato verschwundene Ehefrau des Kloßfabrikbesitzers Roswita Hassenzahl (Milena Dreissig) mit ihrem umtriebigen Lebensgefährten Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff), einem Fachmann für Toiletten und alles Unappetitliche was damit zusammenhängt – wovon er genüsslich die ein oder andere Kostprobe gab! Dazu gesellte sich eine unfreiwillige Paarung aus Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) mit seinem extrem schlechten Gewissen gegenüber seinem Verhöropfer Cordula Remda-Teichel (Christina Große), einer leitenden Kloßfabrikmitarbeiterin und zugleich Geliebte des ermordeten Chefs. Und dann war da natürlich noch das in jeder Hinsicht abgebrühte Ermittlerehepaar Dorn und Lessing, die wieder nichts aus der Ruhe bringen konnte und die auch angesichts dreier Toter nicht die geringste menschliche Regung zeigten. Alles schien für die beiden nur ein großer Spaß zu sein und die Ermittlungen allenfalls ihrer persönlichen Erheiterung zu dienen. Und so ließen sie wieder ununterbrochen uralte Sprüche ab, über die schon Opa und Oma nicht mehr gelacht haben (“333 bei Issos große Keilerei” – um nur eine der alten Zoten zu nennen, die in diesem Tatort aus der Mottenkiste der Kalauer hervorgekramt wurden). Dabei war die Story aus der Feder des bekannten Thrillerautors Andreas Pflüger und Murmel Clausen an sich ausgesprochen fantasievoll und durchaus als spannender Tatort geeignet. Das hätte ein fesselnden Krimi werden können, die morbiden Grundlagen waren da! Schade, dass die Verantwortlichen daraus nur eine allenfalls mäßige Sonntagabendunterhaltung gemacht haben. Tschirner/Ulmen-Fans mag das gefallen, der Tatort-Fan erwartet eindeutig mehr: mehr Niveau, mehr authentisches Schauspiel und vor allen Dingen Spannung, davon lebt ein Krimi nämlich. Ob „Die fette Hoppe“, „Der irre Iwan“ oder jetzt eben „Die robuste Roswita“, bisher war keine Folge aus Weimar den Titel „Tatort“ wert.

Und noch eine dringende Bitte aller ernsthaften Tatort-Fans: Bevor die Macher Nora Tschirner und Christian Ulmen das nächste Mal auf die Zuschauer los lassen, sollten man den beiden einen Sprechkurs verpassen, damit sie endlich so reden, dass man sie auch verstehen kann! /sis

 

Wieder kein spannender Tatort-Abend!

Wieder kein spannender Tatort-Abend!
ARD/BR TATORT, “Freies Land”: Kriminalhauptkommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, links) und Kriminalhauptkommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) stehen vor dem verschlossenen Eingangstor zum “Freiland”-Gelände. Foto: BR/Hendrik Heiden/Claussen+Putz Filmproduktion GmbH

Einen Krimi in jeder Hinsicht aus der Vergangenheit präsentierte das Erste seinen Zuschauern im letzten Tatort vor der Sommerpause, aus München mit dem Titel “Freies Land”, nur dass es wieder kein Krimi war. Im Gegenteil, langweiliger geht es kaum und so twitterte denn auch ein Zuschauer, was die meisten sich wohl dachten: „Ein ganz normaler Krimi wäre mal was Feines“. Stimmt! Zwar waren die an sich sehr beliebten Kommissare Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) am Werk, doch auch sie konnten aus der öden Vorlage keinen spannenden Film machen. Das beste in der Geschichte um die „Freiländer“ war noch der Wurstautomat und ein Rindvieh, das ziemlich deutlich zu verstehen gab, was man von der ganzen Sache zu halten hatte.

Nach den Nazis waren es am 3. Juni 2018 die Reichsbürger, die sich die Drehbuchautoren vorgenommen hatten, obwohl beide Gruppierungen in Ansichten und Verhalten kaum unterscheidbar waren. Außer vielleicht, dass die „Freiländer“ recht religiös daherkamen, ihr Anführer einem Messias gleich die Seinen an der Abendmahlstafel um sich versammelte. Im Laufe der Geschichte aber stellte sich heraus, dass genau dieser Messias das Geld seiner „Jünger“ veruntreut hatte. Ein Verrat, der für einen der Mitbrüder im ringsum hoch eingezäunten “Freiland” so schwer wog, dass er sich das Leben nahm. Dessen Mutter wiederum sorgte mit Geschick dafür, dass der Selbstmord für einen Mord gehalten wurde und so schließlich die inzwischen in Ehren ergrauten Münchner Kommissare eine Reise ins Vorgestern antraten. Unterhaltsam waren lediglich, wie bereits erwähnt, der Wurstautomat, das Rindvieh und vielleicht noch die beiden Dorfpolizisten, die mehr mit sich selbst als mit ihrer Arbeit beschäftigt waren. Irgendwie müssen Land und Leute in diesem Film in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stecken geblieben sein. Für den Zuschauer jedenfalls blieb am Ende einzig die Frage, ob es so ein Dorf ausgerechnet im ach so fortschrittlichen Bayern tatsächlich noch gibt? Wenn ja, könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die abgedroschenen Sprüche der “Freilände” genau hier entstanden sein müssen: An einem Ort, wo heute gerade erst vorgestern ist! /sis

Durchhalten oder umschalten?

Durchhalten oder umschalten?
ARD/WDR TATORT: SCHLANGENGRUBE: Ein Pinguin in der Rechtsmedizin – mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, l) und Prof. Boerne (Jan Josef Liefers, r). Foto: WDR/Thomas Kost

Vier Mal versuchte das Erste im Mai die Zuschauer mit seinen „Tatorten“ vor den Bildschirm zu locken und möglichst lange dort zu halten. Und vier Mal war der Zuschauer nicht unbedingt sicher, ob man sich das bis zum bitteren Ende antun musste. Weiterlesen

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