Spannende Geschichte, spannend erzählt

Spannende Geschichte, spannend erzählt
Kritik zum Tatort Wien “Wahre Lügen”
ARD Degeto Tatort “Wahre Lügen”: Der Mord an einer Journalistin, die zuletzt an einer Geschichte über illegale Waffengeschäfte gearbeitet hat, bringt die beiden Wiener Sonderermittler Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer)  zu einem nicht restlos aufgeklärten Todesfall aus der Vergangenheit.  (Foto: ARD Degeto/ORF/Cult Film/Petro Domenigg)

Es war der 20. gemeinsame Fall für die Wiener Sonderermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und es war in der Tat ein ganz besonderer Fall. Eine spannende Geschichte, die zudem auch noch spannend erzählt wurde. Drehbuchautor und Regisseur Thomas Roth hielt sich dabei an die goldene Regel, die Filmemacher in jüngster Zeit nur allzu oft außer Acht lassen: Zeigen, statt reden, Bilder statt Dialoge. Immer wieder brachte er wichtige Elemente der Geschichte nur durch Bildsequenzen ein, verbunden mit geschickt eingestreuten Rückblicken auf die beiden scheinbar zusammenhängenden Mordfälle. Dazu kamen rasche Wechsel der Schauplätze, was der Folge mit dem vielsagenden Titel „Wahre Lügen“ zusätzliches Tempo verlieh.

Die Geschichte selbst sah lange Zeit nach dem ganz großen Verbrechen aus, in das höherrangige Politiker verstrickt zu sein schienen: Eine junge Journalistin wird auf dem Grund des Wolfgangsees in ihrem Auto gefunden, erschossen mit einer Pistole, die aus illegalem Waffenhandel stammt und damit zu einem älteren Fall führt, einem angeblichen Selbstmord eines österreichischen Ministers. Am Ende entpuppte sich der Mord an der Journalistin aber als eine reine Beziehungstat, als leidenschaftliche Rache von Sybille Wildering (Emily Cox) an ihrer Lebenspartnerin Sylvie Wolter (Susanne Geschwendtner) und deren neuen Freund David Weimann (Robert Hunger-Bühler). Etwas enttäuschend war das gezeichnete Bild höherer Dienststellen, die immer dann auf den Plan treten, wenn die Ermittlungen angeblich die innere Sicherheit gefährden. Das hat der Zuschauer schon viel zu oft gesehen. Und so bekamen es Bibi und Moritz wieder einmal mit Vertretern der Generaldirektion für Innere Sicherheit zu tun, was die Lösung des Falls über lange Strecken im illegalen Waffenhandel vermuten ließen. Dr. Maria Digruber (Franziska Hackl) und Lukas Kragl (Sebastian Wendelin) von der Generaldirektion wurden leider übermäßig klischeehaft dargestellt, frei nach der Devise, die Ermittler haben zu tun was sie sagen, wenn nicht, werden sie gefeuert. Schade! Das war aber der einzige Makel in diesem ansonsten wirklich spannenden Krimi, der ganz nebenbei sehr realistisch Bibis Fellners Kampf gegen die Alkoholsucht und die Bedeutung der Unterstützung durch ihren Partner Moritz Eisner thematisierte. Großartig, in jeder Hinsicht! /sis

Mit Wiener Charme und Herzlichkeit

Mit Wiener Charme und Herzlichkeit
ARD-Tatort: “Her mit der Marie!”: Schritt für Schritt arbeiten sich Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) voran. (Foto: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican)
Aktuelle Kritik zum Tatort Wien – “Her mit der Marie!”

Das war doch endlich wieder ein Tatort, wie ihn sich echte Krimifreunde wünschen: Spannungsgeladen mit viel Tempo und sogar einer „dunkelgelben“ Verwarnung für das geniale Kommissarsduo Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Die beiden gingen mit viel Logik an den markanten Mordfall, führten dem Zuschauer das oft mühselige Ermittlerleben vor und wussten ganz nebenbei mit viel Wiener Charme zu überzeugen. Einziger Wehrmutstropfen vielleicht, dass der Wiener Dialekt zwar erfrischend herzlich klingt, aber für Nicht-Wiener nicht unbedingt immer zu verstehen ist. So mancher hat sich bestimmt Untertitel gewünscht. Obwohl die nicht wirklich nötig waren, denn die Geschichte war selbsterklärend. So ließ sich schon recht früh erahnen, dass Bibis Busenfreund Inkasso Heinzi (hervorragender Simon Schwarz) und sein „Gschbusi“ Pico (Christopher Schärf) tief in die Machenschaften des Großkriminellen Dokta (Erwin Steinhauer) und damit den Mordfall verstrickt sein mussten.

Trotzdem ist den Drehbuchautoren Stefan Hafner und Thomas Weingartner hier eine hinreißende Geschichte gelungen mit einem trockenen Humor, den man sonst nur von britischen Krimis kennt. Nicht ganz in dieses perfekte Bild bester Sonntagabend-Unterhaltung passt indes der Versuch, die bisher so siegessicher abstinente Bibi Fellner zurück an die Flasche zu bringen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Macher des Wiener Tatorts hier nicht an eine Charakterweiterentwicklung wagen, die die Zuschauer vermutlich eher nicht mögen werden. Gewiss will kein Fan der Tatorte aus Wien erneut eine betrunken-torkelnde Bibi Fellner sehen!

Ganz am Rande stellt sich natürlich noch die Frage, woher der Begriff “Marie” für eine – eher größere – Geldsummer kommt. Es soll sich dabei um eine volkstümliche Redensart handeln, deren Herkunft offenbar nicht gänzlich geklärt ist. Die österreichische Sprachwissenschafterin, Dialektologin und Namensforscherin Maria Hornung vermutete einen Zusammenhang mit dem Maria-Theresien-Taler. Das klingt doch recht plausibel. Falls es jemand genauer weiß: her damit! /sis

ARD-Tatort – “Her mit der Marie! “: Kommissar Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Manfred Schimpf (Thomas Stipsits) am Fundort der Leiche. (Foto: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican)
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