Das war einmal mehr gar nichts!

Kritik zum Tatort Hamburg „Tödliche Flut“
ARD/NDR Tatort “Tödliche Flut”: Imke (Franziska Hartmann, l.) beschuldigt Stadtrat Lohmannn (Jonas Hien, r.). Julia Grosz (Franziska Weisz, 2. v.l.) und Falke (Wotan Wilke Möhring 2. v.r.) ermitteln. (Foto: NDR/Christine Schroeder)
Imke (Franziska Hartmann) reißt Falke (Wotan Wilke Möhring) mit in die tödliche Flut. (Foto: NDR/Christine Schroeder)

Düstere Inselbilder, eine vorhersehbare Geschichte, dazu ein unglaubwürdiges Ende – der Tatort „Tödliche Flut“ mit den Kommissaren Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) wusste so gar nicht zu begeistern. Allenfalls die eigens für diesen Tatort komponierte und von der NRD Radiophilharmonie eingespielte Musik war außergewöhnlich gut. Ansonsten gab es – wieder einmal – überhaupt keine Spannung. Die Geschichte, die Imke Leopold (Franziska Hartmann), eine alte Bekannte von Falke, den Kommissaren auftischte, war von Anfang an ziemlich durchsichtig, ihr eigenes Verhalten mehr als verdächtig.

Übergriffige Imke Leopold

Als investigative Journalistin ist Imke Leopold auf der Suche nach dem ganz großen Skandal auf Norderney, in den nicht nur Stadtrat Lohmann (Jonas Hien) und der Bürgermeister (Veit Stübner), sondern auch Polizeichef Recker (Christoph Tomanek) verstrickt sein sollen. Imke wird von einem Unbekannten angegriffen und der einzige Zeuge liegt tot in seinem Haus. Während Falke mehr mit einem ausgiebigen Flirt mit Imke beschäftigt ist, erfährt Grosz von Imkes psychischen Problemen, die im Laufe der Geschichte immer deutlicher zutage treten und in einem Selbstmordversuch gipfeln. Sie stürzt sich in die herannahende Flut und nimmt Falke gleich mit. Grosz lässt mit Hubschrauber und Wasserpolizei nach ihnen suchen und findet schließlich Falke mit der toten Imke am Strand. Imke selbst hat den Mord begangen und Falke mit dem angeblichen Überfall nach Norderney gelockt.

Ein bisschen durchgeknallt aber nicht irre!

Als Krimi geht dieser Tatort aus der Feder von David Sandreuter, Arne Nolting und Jan Martin Scharf nicht durch, dazu gab es schlicht zu wenig kriminalistische Aktivitäten. Stattdessen machten es sich Imke und die beiden Kommissare in Großmutters Haus oder in der Kneipe gemütlich und plauderten über alte Zeiten. Auch Psychodrama trifft es nicht, dazu war Imke nun doch wieder nicht krank genug. Ein bisschen durchgeknallt war sie nur, ein bisschen besessen von ihrer Arbeit, ein bisschen unkontrolliert und sehr einsam. Aber bestimmt nicht irre! Als unterhaltsame Bilderreise auf der wunderschönen Nordseeinsel kann man den Film auch nicht bezeichnen, die wenigen Aufnahmen am Strand und in den Dünen konnten die vergleichsweise langen Innenszenen bei weiten nicht aufwiegen.

Im Grunde war dieser Tatort gar nichts, nicht einmal unterhaltsam. Einzig die Hoffnung auf überraschende Wendungen, vielleicht doch noch spannende Verstrickungen und einen dramatischen Showdown hielt den Zuschauer davon ab, sich vorzeitig zu verabschieden. /sis

Wo ist Falke? Julia Grosz (Franziska Weisz) kämpft gegen die Zeit. (Foto: NDR/Christine Schroeder)

Schon der letzte Tatort mit Falke und Grosz im Februar 2020 mit dem Titel “Die goldene Zeit” war eher blass (Bild NDR/Christine Schroeder): https://besser-klartext.de/merkwuerdig-blasser-tatort-aus-hamburg/

Ein Gedanke zu „Das war einmal mehr gar nichts!

  • 29. Januar 2021 um 12:28
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    Yo, ich stimme weitgehend mit euch überein. Dass im Zusammenhang mit Imke von mehreren Protagonisten das Wort »intensiv« benutzt wurde, machte die Sache nicht glaubhafter. Einzig spannend war, dabei zuzusehen, wie ihre psychische Krankheit immer mehr die Oberhand gewann. Alles andere war schlechte Regie- und Schauspielerleistung.

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