Strafversetzt nach Göttingen

Kritik zum Tatort „Das verschwundene Kind“
 NRD-Tatort “Das verschwundene Kind”: Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anais Schmitz (Florence Kasumba) (Foto: NDR/Christine Schroeder)

Ob man den beiden Klasseschauspielerinnen Maria Furtwängler und Florence Kasumba mit den Rollen des Ermittlerduos Charlotte Lindholm/ Anais Schmitz einen Gefallen getan hat, darf bezweifelt werden. Zu krass ist nicht nur der optische Unterschied. Auch die aggressiven Ausraster der neuen Tatort-Ermittlerin mit dem schwermütigen Blick, die bereits in unzähligen Tatorten in ganz unterschiedlichen Rollen zu sehen war, können weder als lustig noch als integrationsförderlich bezeichnet werden, ganz im Gegenteil! Eine Kollegin zu ohrfeigen geht gar nicht – nie und unter keinen Umständen und schon gar nicht im öffentlich-rechtlichen Bildungsfernsehen. In diesem Tatort konnte die Kommissarin sogar ungerügt auch auf Verdächtige losgehen und der ohnehin merkwürdig ironische Chef schwieg dazu. Unerträglich!

Abgesehen davon war aber die Geschichte über eine bis zum letzten Augenblick verdrängte Schwangerschaft und dem letztlich in einer Mülltonne aufgefundenen Neugeborenen durchaus „Tatort-würdig“ mit einigen sehr bedrückenden Bildern, die man in den ansonsten unaufgeregten Krimis deutscher Machart zum Glück eher seltener sieht. Nur leider wurden in „Das verschwundene Kind“ zu viele Verdächtige mit zu vielen unterschiedlichen Motiven vorgeführt, deren Aufspüren und Vernehmen die an sich klug kombinierte Story der Drehbuchautoren Franziska Buch, Jan Braren und Stefan Dähnert unnötig in die Länge zogen. Die damit verbundenen häufigen Schauplatz- und Perspektivwechsel sorgten deshalb auch nicht für spannendes Tempo, sondern eher für ausgedehnte Strecken gepflegter Langeweile. Die Auflösung am Ende kam dann genauso überraschend wie das bis dahin erste und einzige Lächeln der beiden Kommissarinnen, die ansonsten stur und wenig ansprechend in ihrem Zickenkrieg verharrten. Das, was die LKA-Ermittlerin Charlotte Lindholm bisher ausgemacht hat, ihr untrügliches Gespür für Menschen und Motive und ihr etwas chaotisches Privatleben blieben diesmal gänzlich auf der Strecke. Leider! /sis

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