Viel Klamauk, mehr aber auch nicht!

Viel Klamauk, mehr aber auch nicht!
Kritik zum Tatort Weimar „Der höllische Heinz“
ARD Tatort “Der höllische Heinz” (Foto: MDR/ Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer)

Der Tatort aus Weimar mit den Kommissaren Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) hatte ja noch nie einem besonders hohen Anspruch an krimitypische Spannung. “Witzig” ist wohl das Schlagwort, das die Inhalte der Tatorte aus Weimar am ehesten beschreibt. Aber will man das sehen, wenn man am Sonntagabend das Erste einschaltet – Klamauk statt Krimi? Wohl eher nicht. Als spaßige Komödie zur Fastnachtszeit hätte „Der höllische Heinz“ wegen der zahlreichen Kalauer sicher mindestens fünf von sechs Sterne verdient. Als Tatort fehlte aber einmal mehr der nötige Ernst.

Dorn und Lessing ermittelten auch in der Westernstadt El Doroda wieder nur zu ihrem persönlichen Vergnügen. Um sie herum starben Menschen, was sie aber scheinbar nicht tangierte. Nach der Gasexplosion am Ende der Geschichte, bei der zwei Menschen völlig unnötig ums Leben kamen, bestiegen die beiden mit ein paar lockeren Sprüchen über den wegen “Masern” abgesagten Besuch der Schwiegermutter ein Pferd und ritten glücklich davon. Statt – was jeder normale Mensche getan hätte – zur Abwehr der Gasexplosionsgefahr im Hause des Täters Heinz Knapps (Peter Kurth) die Fenster aufzureißen, rettete Kira Dorn nur ihren Ehemann und überließ Kapps und den Anführer der Motorradgang “Bones”, Nick Kircher (Martin Baden), einfach ihrem Schicksal. Bitter und obendrei auch schlicht strafbar, weil unterlassene Hilfeleistung! Anders als bei den ebenfalls immer um Humor bemühten Tatorten aus Münster fehlt es den Kommissaren in Weimar an Respekt, Respekt gegenüber ihrer Arbeit, den Opfern und auch den Menschen in ihrer Umgebung. Das ist schade, denn die eigentlich Geschichte der Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger, unter einem Freizeitgelände wertvolle “Seltene Erden” zu finden und über deren Eigentumsrechte einen erbitterten Kampf zu inszenieren, ist großartig. Auch, dass das Freizeitgelände ein Western-Park war, ist nicht unbedingt verkehrt. Nur ging das Thema schlicht unter im Wild-West-Getümmel von Kira Dorn als heißem Cowgirl und Polizist Ludwig Maria Pohl genannt „Lupo“ (Arndt Schwering-Sohnrey) als treffsicherem Cowboy. Irgendwie hegte man als Zuschauer ununterbrochen die Erwartung, dass gleich Michael “Bully” Herbig und Christian Tramitz um die Ecke kommen. Wie gesagt, nicht schlecht, aber eben kein Tatort! /sis

ARD MDR Tatort “Der höllische Heinz”: Kommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner) bei ihrem Undercover-Einsatz in der Westernstadt El Doroda. (Foto: MDR/Wiedemann&Berg/Anke Neugebauer)

Nichts als trübe Kloßbrühe

Nichts als trübe Kloßbrühe
Der Tatort aus Weimar: Die robuste Roswita – aus Sicht eines Tatort-Fans
ARD/MDR Tatort “Die robuste Roswita”: Die Kommissare Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) beauftragen Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) mit einem DNA-Abgleich. Foto: MDR/Wiedemann und Berg/Anke Neugebauer

Wie der Titel schon vermuten lässt, handelt es sich auch beim inzwischen siebten Tatort aus Weimar „Die robuste Roswita“ nicht um einen spannenden Krimi, sondern wieder einmal nur um derben Klamauk. Witzig soll es sein mit den Kommissaren Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen), den absoluten Nuschelkönigen unter den Tatortkommissaren. Kommissarin Dorn ist die Lässigkeit in Person, und darum ist es auch nicht weiter schlimm, wenn sie – und mit ihr alle Zuschauer – den Vornamen ihres Besserwisser-Ehemannes noch immer nicht kennt. Außerdem sieht sie unter ihrem aufgebauschten Parka aus, als wäre sie schon wieder schwanger. Vielleicht gab es ja deswegen absolut keine Neuigkeiten aus dem Eheleben von Dorn und Lessing und das ist doch an sich äußerst verdächtig!

Aber wie gesagt, es ging hier nicht um Nerven kitzelnde Krimispannung, sondern um ein weiteres Schelmenstück aus Weimar, gedacht einzig und allein als Plattform für die vermeintlich geistreich-humorigen Dialoge, die der Zuschauer aber wegen der extrem nachlässigen Aussprache der beiden Hauptdarsteller zum größten Teil schon rein akustisch nicht verstand.

Nach der Wurst kreiste die Geschichte nun um Thüringer Klöße in idyllischer Dorfumgebung mit Kartoffelacker und Supermarkt. Dem interessierten Zuschauer wurden zwei eigenwillige Pärchen präsentiert, beide hochgradig verdächtig, den Kloßfabrikchef Hassenzahl ermordet und zu Granulat verarbeitet zu haben: Kartoffelbauer Thomas Halupczok (Jörn Hentschel) und die Supermarkt-Chefeinkäuferin Marion Kretschmar (Anne Schäfer) sowie die im wahrsten Wortsinn „auf den Kopf gefallene“ und bis dato verschwundene Ehefrau des Kloßfabrikbesitzers Roswita Hassenzahl (Milena Dreissig) mit ihrem umtriebigen Lebensgefährten Roland Schnecke (Nicki von Tempelhoff), einem Fachmann für Toiletten und alles Unappetitliche was damit zusammenhängt – wovon er genüsslich die ein oder andere Kostprobe gab! Dazu gesellte sich eine unfreiwillige Paarung aus Kommissariatsleiter Kurt Stich (Thorsten Merten) mit seinem extrem schlechten Gewissen gegenüber seinem Verhöropfer Cordula Remda-Teichel (Christina Große), einer leitenden Kloßfabrikmitarbeiterin und zugleich Geliebte des ermordeten Chefs. Und dann war da natürlich noch das in jeder Hinsicht abgebrühte Ermittlerehepaar Dorn und Lessing, die wieder nichts aus der Ruhe bringen konnte und die auch angesichts dreier Toter nicht die geringste menschliche Regung zeigten. Alles schien für die beiden nur ein großer Spaß zu sein und die Ermittlungen allenfalls ihrer persönlichen Erheiterung zu dienen. Und so ließen sie wieder ununterbrochen uralte Sprüche ab, über die schon Opa und Oma nicht mehr gelacht haben (“333 bei Issos große Keilerei” – um nur eine der alten Zoten zu nennen, die in diesem Tatort aus der Mottenkiste der Kalauer hervorgekramt wurden). Dabei war die Story aus der Feder des bekannten Thrillerautors Andreas Pflüger und Murmel Clausen an sich ausgesprochen fantasievoll und durchaus als spannender Tatort geeignet. Das hätte ein fesselnden Krimi werden können, die morbiden Grundlagen waren da! Schade, dass die Verantwortlichen daraus nur eine allenfalls mäßige Sonntagabendunterhaltung gemacht haben. Tschirner/Ulmen-Fans mag das gefallen, der Tatort-Fan erwartet eindeutig mehr: mehr Niveau, mehr authentisches Schauspiel und vor allen Dingen Spannung, davon lebt ein Krimi nämlich. Ob „Die fette Hoppe“, „Der irre Iwan“ oder jetzt eben „Die robuste Roswita“, bisher war keine Folge aus Weimar den Titel „Tatort“ wert.

Und noch eine dringende Bitte aller ernsthaften Tatort-Fans: Bevor die Macher Nora Tschirner und Christian Ulmen das nächste Mal auf die Zuschauer los lassen, sollten man den beiden einen Sprechkurs verpassen, damit sie endlich so reden, dass man sie auch verstehen kann! /sis

 

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