Alle Männer sind böse – mal wieder!

Kritik zum Tatort Köln „Reiz des Bösen“
ARD/WDR Tatort “Reiz des Bösen”: Mord im Parkhaus: Rechtsmediziner Dr. Roth (Joe Bausch) am Tatort, mit Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, v.r.). (Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke)
Norbert Jütte (Roland Riebeling, rechts) spricht im Präsidium mit Psychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) sowie seinen Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, v.l.): Welche Verbindungen gibt es zwischen den Fällen? (Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke)

Schlecht war er irgendwie nicht, der neue Tatort aus Köln mit dem Titel „Reiz des Bösen“. Statt Spannung gab es aber eine gehörige Portion Verwirrung. Schuld daran waren Rückblenden, die nicht oder doch erst sehr spät als solche zu erkennen waren. Und so fragten sich nicht wenige Zuschauer am Ende des Films, was um Gottes Willen denn nun aus dem kleinen Lenny (Wulff Kurscheid) werden sollte?

Die vermeintliche Parallelgeschichte, Lennys Geschichte, fand aber in einer nicht näher bestimmten und durch das Set für den Zuschauer auch nicht unbedingt bestimmbaren Vergangenheit statt. Lediglich ein Gameboy hätten einem verdächtig alt vorkommen können. Wer zwischendurch die Aufmerksamkeit verlor, was gewiss einer großen Zahl an Zuschauern so erging, weil die Geschichte keinen rechten Fortgang nahm, konnte das Ende dann nicht verstehen. Denn es war dieser Lenny, inzwischen erwachsen, der sich für seine Kindheitsqualen an allen Müttern rächte, die sich mit einem Ex-Knacki zusammengetan hatten.

Lenny war am Ende der grausame Serienmörder, den Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) wie das Kaninchen aus dem Hut zogen. Erst das Gespräch mit der gealterten und sichtbar misshandelten Mutter Ines (Picco von Groote) und eine Fotografie des mittlerweile verstorbenen Bastian „Basso“ Sommer (Torben Liebrecht) hätte die Zuschauer auf die richtige Spur bringen können, wenn sie denn zu diesem Zeitpunkt noch wach gewesen wären. Auch, was das alles mit dem aktuellen Fall zu tun hatte, wurde erst jetzt deutlich. In dem nämlich waren Ballauf und Schenk auf der Suche nach dem Mörder von Susanne Elvan. Die hatte ihre Brieffreundschaft noch im Gefängnis geheiratet und nach seiner Entlassung bei sich zuhause aufgenommen.

Lenny (Wulf Kurscheid, rechts) wird vom neuen Partner seiner Mutter Ines (Picco von Groote) misshandelt. Ines will ihm aber nicht glauben. (Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke)

Tarek Elvan (Sahin Eryilmaz) erwies sich rasch, wie all die anderen Verdächtigen auch, zwar als böse, aber unschuldig. Wieder einmal waren alle Männer einfach nur böse. Und so fischten Ballauf und Schenk im Trüben, während sie und mit ihnen die Zuschauer eine Menge über das Phänomen der Hybristophilie, der Zuneigung von Frauen zu Übeltätern, erfuhren und die ganz andere Seite ihres Assistenten Norbert Jütte (Roland Riebeling) kennenlernten. Norbert Jüttes Verwandlung von der Schnecke zu „Turbo Jütte“ kam ebenfalls wenig überzeugend daher. Der Charakterwechsel war so drastisch, dass er einfach nur unglaubwürdig wirkte.

Zwei Geschichten in einer zu erzählen ist alles andere als neu. Dass in solchen Konstellationen im Film stets ein Zusammenhang besteht, ist ebenfalls ein alter Hut. Nur wenn der tatsächliche Zusammenhang erst kurz vor dem Ende durchschaubar wird, während die beiden Geschichten in der Zwischenzeit ohne Höhen und Tiefen so vor sich hinplätschern, müssen sich Drehbuchautor Arne Nolting und Regisseur Jan Martin Scharf nicht wundern, wenn sie unterwegs viele Zuschauer verlieren. Eine deutliche Unterscheidbarkeit der beiden Erzählebenen, Hinweise vom kleinen misshandelten Lenny auf den erwachsenen Gefängniswärter Leonard (Theo Trebs) hätten der Aufmerksamkeit der Zuschauer und damit der Spannung sicher sehr gut getan. /sis

 

Schon der letzte Tatort aus Köln “Wie alle anderen auch” ging es mehr um die Geschichten der Figuren als um die Ermittlungen.

ARD/WDR Tatort “Wie alle anderen auch”:
Regine Weigand (Hildegard Schroedter) leitet ein Café für Menschen, die kein eigenes Zuhause haben. Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, links) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, rechts) haben sie gerade darüber informiert, dass Monika Keller tot aufgefunden wurde. Die obdachlose Frau war Stammgast im Café. (Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

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