Merkwürdig blasser Tatort aus Hamburg

Merkwürdig blasser Tatort aus Hamburg
Kritik zum Tatort „Die goldene Zeit“
ARD/NDR Tatort “Die goldene Zeit”: Falke (W.W Möhring, 2.v.l.) und Grosz (F. 2.v.r.) müssen Egon Pohl (Christian Redl) eine traurige Nachricht überbringen (mit D. Kaufmann, r.) (Foto: NDR/Christine Schroeder)

An den beiden Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) lag es eher nicht, dass der neue Tatort aus Hamburg mit dem Titel „Die goldene Zeit“ nicht so richtig begeistern wollte. Wenig Spannung kam auf, obwohl der Tatort-Fangemeinde diesmal ein blutjunger Auftragskiller präsentiert wurde, ein armes zitterndes Etwas, dessen Motiv doch mehr als dürftig war: Matei Dimenscu (Bogdan Iancu) war eigens aus Rumänien angereist, um im Hamburger Rotlicht-Milieu einen störenden Puff-Erben zu beseitigen, nur um für seinen Vater einen Fernseher kaufen zu können. Wenn es tatsächlich so einfach ist, junge Menschen für einen Mord zu gewinnen, dann dürfen wir uns alle vor einer recht ungewissen Zukunft fürchten. Nur gut, dass sich eine wahre Kiezgröße trotz aller Verbundenheit zu seinem ehemaligen Herrn nicht dazu entschließen konnte, den „Kleinen“ zu bestrafen. Thorsten Falkes Freund Michael Lübke (Michael Thomas) nahm sich des Jungen an, nachdem es ihm mehrfach nicht gelungen war, Rache zu üben. Dabei führte er Falke und seine Partnerin gehörig an der Nase herum. Die beiden Kommissare waren aber neben der Suche nach dem jugendlichen Mörder vor allem mit der Frage beschäftigt, wer dem Jungen denn den Auftrag erteilt hatte. Und so tauchten sie ein ins Hamburger Rotlicht-Milieu mit seinem ausgesprochen hässlichen Gesicht, mit missbrauchten Mädchen aus aller Herren Länder, mit größenwahnsinnigen Luden und brutalen Banden. Die Auflösung schließlich konnte den bis dahin doch recht gelangweilten Zuschauer dann doch noch überraschen.

Abgesehen von zahlreichen Klischees hatte dieser Tatort nicht viel zu bieten, auch wenn die Schauspieler durchweg eine gute Leistung zeigten. Von einer “goldenen Zeit”aber war trotz des Ausflugs in Falkes Jugendjahre weit und breit nichts zu sehen. /sis

Unterstützt Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) bei den Ermittlungen: LKA-Mitarbeiter Thomas Okonjo (Jonathan Kwesi Aikins, (rechts)) (Foto: NDR/Christine Schroeder)

 

Eines guten Krimis durchaus würdig

Eines guten Krimis durchaus würdig
Kritik zum Tatort „Querschläger“
ARD/NDR Tatort “Querschläger”: Nehmen Spediteur Aksoy (Eray Egilmez, ganz links) unter die Lupe: Falke (Wotan Wilke Möhring) und Grosz (Franziska Weisz). Im Hintergrund: Aksoys Bruder Efe (Deniz Arora) (Foto: NDR/Christine Schroeder)

Das hat man schon oft gesehen – ein Kind ist todkrank, helfen kann nur ganz viel Geld und das versuchen die Eltern zu bekommen, egal wie und egal was es kostet. Dieses sicher bedrückende Szenario war auch Kern des neuen Tatorts mit den Bundespolizisten Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und Julia Grosz (Franziska Weisz) mit dem Titel „Querschläger“. Natürlich war die Geschichte mit dem großartigen Milan Pöschel in der Rolle des amoklaufenden Vaters Steffen Thewes sehr leicht durchschaubar und bot vor daher kaum Überraschendes. Interessant waren aber dennoch die vorgestellten Gegensätze: Der eine Vater tut alles, um an Geld zu kommen, das seine kranke Tochter retten soll, der anderer hingegen ist skrupellos bereit, seine gesamte Familie zu opfern, um das – natürlich unrechtmäßig erworbene – Geld nicht hergeben zu müssen. Die so erzeugte Spannung zwischen dem Zollbeamten Thewes und dem zwielichtigen Spediteur Cem Aksoy (Eray Egilmez) war eines Krimis durchaus würdig, auch wenn die Geschichte aus der Feder von Oke Stielow einige Längen und Logikbrüche aufwies. Das Ermittlerduo indes war durchaus entbehrlich und das Ende fiel dann doch recht unglaubwürdig aus: Der bis dahin stur an seinem Geld festhaltende Cem Aksoy gibt es freiwillig, um Sara Thewes (Charlotte Lorenzen) doch noch zu retten!

Abgesehen von der Krimistory warf die Geschichte wieder einmal die dringende Frage auf, wieso Krankenkassen lebensrettende Operationen für Kinder und Jugendliche nicht bezahlen, warum eben diese Operationen immer nur in den USA vorgenommen werde können und warum sie so unsagbar viel Geld kosten müssen. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das sich zudem rasch lösen ließe, wenn denn der politische Wille dazu vorhanden wäre. /sis

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