Nur ein dummer Hund?

Nur ein dummer Hund?

Schlau oder dumm: Wie man Mensch um den Finger wickelt, wissen alle Hunde!

Noch zu Beginn des Jahrtausends schrieb der kanadische Psychologe und ausgewiesene Hundekenner Stanley Coren: „Die Wissenschaft wird wohl nie ganz verstehen, was Hunde über Kommunikation, Problemlösen, Vergangenheit, Zukunft, Gott, Zeit und Philosophie wissen“. Das deckte sich damals schon nicht mit den Erfahrungen von Hundehaltern, die tagtäglich erleben, dass ihr vierbeiniger Liebling sehr wohl versteht, was man ihm sagt – auch wenn er nicht immer danach handelt und die Ohren, so hat man den Eindruck, ohnehin nur zum Saubermachen da zu sein scheinen. Inzwischen hat aber auch die Wissenschaft Fortschritte gemacht und der Verhaltensbiologe Professor Dr. Norbert Sachser hat mit seinen Erkenntnissen das Weltbild in der Tierverhaltensforschung dramatisch verändert. „Tatsächlich hat die Verhaltensbiologie in den letzten Jahr(zehnt)en große Fortschritte bei der Untersuchung der kognitiven (und emotionalen) Leistungen der Tiere gemacht und unter anderem nachgewiesen: Einige von ihnen können denken, können sich im Spiegel erkennen, können sich in andere hineinversetzen, haben offenbar zumindest Ansätze von Ich-Bewusstsein“, teilt Professor Sachser auf Anfrage von besser-klartext.de mit. Den aktuellen Kenntnisstand hat er in seinem Buch „Der Mensch im Tier“ allgemeinverständlich zusammengefasst (Der Mensch im Tier). Demnach weiß man heute, dass Tiere sich sogar ärgern können, sie trauern und tricksen.

Hundehalter können davon ein Lied siegen – ist es doch dieser tiefsinnige Blick, mit dem jeder Hund sein Herrchen oder Frauchen einmal rund um alle Finger wickelt. Insoweit deckt sich das natürliche Empfinden von Hundefreunden durchaus mit dem derzeitigen Stand der Wissenschaft – zumindest bis die englischen Forscher Dr. Britta Osthaus von der Canterbury Christ Church University und Stephen Lea von der University of Exeter im Oktober 2018 in einer Studien nachwiesen, dass Hunde durchweg nicht so schlau sind wie gedacht, sondern im Vergleich mit anderen Tieren sogar schlechter abschneiden. Die beiden Wissenschaftler haben dazu mehr als 300 Dokumente über die Intelligenz von Hunden und anderen Tieren ausgewertet und fanden heraus, dass man in vielen Fällen die Fähigkeiten von Hunden überbewertet hatte. (Studie).

Das enttäuscht den Hundeliebhaber – aber nur auf den ersten Blick. Denn letztlich haben Menschen, die ihr Leben mit Hunden verbracht haben, längst selbst die Erfahrung gemacht, dass es erhebliche Unterschiede in den kognitiven Fähigkeiten – also in Wahrnehmung und Denken – von Hunde gibt. Der eine Vierbeiner ist wissbegierig, lernt schnell und gern, ist gehorsam und zu allerlei Späßen aufgelegt. Der andere Hund aber will von all dem einfach nichts wissen. Er spielt nicht, kuschelt nicht und weiß auch sonst nicht viel mit sich und den Menschen in seinem Rudel anzufangen. Er braucht nur seine Spaziergänge, gutes Futter und das möglichst reichlich und ansonsten seine Ruhe! Stanley Coren hat sogar eine Rangliste der intelligentesten und dümmsten Hunderassen aufgestellt (Stanley Coren, Die Intelligenz der Hunde, Rowohlt Taschenbuch 1997, ISBN 9783499602467). Aber haben die unterschiedlichen Verhaltensweisen wirklich etwas mit Intelligenz zu tun? Denkt der Hund über sein Tun nach? Oder macht Hund in jedem Fall einfach nur was er will? Ist der dumme Hund am Ende nicht schlauer als der Gehorsame, weil er sich eben nicht von seinem Menschen zu etwas zwingen lässt, stattdessen instinktgetreu genau das tut, wonach ihm gerade ist? Fragen über Fragen, auf die die Wissenschaft noch immer keine Antworten gefunden hat und vermutlich auch nicht finden wird. Denn auch die Wissenschaft kann das Verhalten von Hunden mit allerlei Experimenten, Untersuchungen und Studien nur interpretieren. Ob die jeweilige Deutung aber tatsächlich stimmt, weiß letztlich doch niemand ganz genau! /sis

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Huskys sind noch mehr als andere Rassen instinktgesteuert. Sie können nicht acht Stunden am Tag in einer kleinen Wohnung unterm Dach alleine darauf warten, dass ihre Besitzer nach Hause kommen. Das grenzt an Tierquälerei!

Meine Meinung – von Sibylle Schwertner

Ein Hund zieht ein. Welches Körbchen ist das Beste, passt idealerweise auch noch zur Einrichtung und nimmt nicht zu viel Platz weg? Vielleicht mit orthopädischer Matratze? Wie ist es mit den Futternäpfen, Blech oder Porzellan, auf dem Fußboden stehend? Nein, natürlich nicht! Nur mit in der Höhe verstellbarem Ständer, keine Frage! Und das Halsband? Schick sind sie ja schon, die breiten Lederbänder mit Strass oder Goldapplikation! Rollleine oder doch lieber die aus Leder? Trockenfutter, Dose oder doch besser selbst gekocht oder gar nur rohes Fleisch? Wer von solchen Vorbereitungen für den Einzug eines Hundes hört, kann nur mit dem Kopf schütteln. Alles wird mit in die Überlegungen einbezogen, nur der Hund nicht. Und so kommt es vor, dass ein Husky-Rüde im besten Alter zwar in übergroßem Luxus, sehr wohl aber acht Stunden am Tag alleine eingesperrt und permanent jaulend in einer 3-Zimmer-Wohnung unterm Dach ausharren muss, der Dobermann unter ähnlichen Bedingungen zum kreativen Innenarchitekten mutiert, der Rottweiler Löcher in Wände und Türen frisst und der Pekinese die Nachbarn mit seinem ununterbrochenen Gebell in quietschiger Tonlage direkt in den Wahnsinn treibt. Zweimal die Woche müssen diese sogenannten besten Freunde des Menschen obendrein zum Erziehungskurs in die Hundeschule und dort werden von ihnen stundenlang Handlungen verlangt, die ihnen völlig wesensfremd sind: Sitz, Platz, Bleib, Fuß – und das natürlich mit allerlei Artgenossen im Gleichschritt. Von alleine käme kein Hund auf die Idee, solche Befehle auszuführen oder gar den Artgenossen, der keinen Meter entfernt auch gerade Sitz oder Bleib probt, einfach nur zu ignorieren! Das ist völlig gegen ihre Natur, genauso wie Dog Dancing oder Flyball oder was es sonst noch alles an Beschäftigungstherapie für den modernen Hund gibt. Überhaupt ist das ständige Beschäftigt werden wirklich so gut für den Hund, wie moderne Hundetrainer – für die es nach wie vor keine verbindliche Ausbildung gibt – behaupten? Langweilt sich der Hund wirklich, wenn er von uns nicht rund um die Uhr bespaßt wird?

Natürlich näherte sich der Hund dem Menschen – man schätzt vor etwa 10.000 Jahren – von alleine an. Niemand hat ihn dazu gezwungen. Er hat nur schnell erkannt, dass es bei den Zweibeinern gar nicht so übel ist: Regelmäßig Futter und ein Plätzchen im Warmen, wenn es draußen kalt ist, das hat doch was! Er dankte es dem Menschen, indem er wichtige Aufgaben übernahm: Herde hüten, bei der Jagd helfen, Kaninchen aus ihren Bauten treiben, Haus und Hof beschützen. Dazu brauchte es selbstbewusste Hunde, die allein entscheiden konnten und das auch taten. Dafür gab es Futter und ansonsten ließ man sie ganz einfach Hund sein. Erst seit wenigen Jahren wird der Hund immer mehr zur Marionette, zu einer Puppe, die mitunter sogar in vermeintlich niedliche Kleidung gestopft wird, zum Kindersatz, der viel zu viel von unserem ungesunden Essen bekommt, dick und rund und letztlich krank wird, oder zu dem Kind oder Partner erzogen wird, den man so gerne hätte: ein zu einhundert Prozent gehorsamer, einfach perfekter Begleiter. Seine einzige Aufgabe besteht darin, unsere Mitmenschen von seinen oder besser unseren Qualitäten zu überzeugen: Seht her, was ich für ein toller Typ bin. Mein Hund macht was ich will und zwar nur wann ich es will! Toll, oder?

Sicher gibt es gewisse Voraussetzungen für das Zusammenleben von Mensch und Hund in der heutigen Zeit. Aber übertreiben es die Menschen nicht längst mit ihren Forderungen? Warum dürfen unsere Hunde nicht einfach mal wieder Hund sein! Warum soll ein Hund nicht bellen, wenn Fremde an die Tür kommen? Das war einst sein Job! Warum sollen sich Hunde, die sich nicht mögen, nicht auch mal fetzen? Wir Menschen tun das – zumindest verbal – ja auch jeden Tag! Warum darf ein Hund uns nicht mit gefletschten Zähnen klar machen, dass wir gefälligst seinen Knochen in Ruhe zu lassen haben? Wie würden wir wohl reagieren, wenn uns jemand das Brot aus dem Mund klaut? Und warum soll ein Hund fremde Menschen nicht anknurren, die sich vor ihm aufbauen, ihm mehr oder mindert zärtlich über dem Kopf streicheln und ihm „Guter“ direkt in seinen empfindlichen Gehörgang schreien? Was würden wir wohl tun, wenn wir durch die Stadt spazieren und es kommt ein fremder Mensch auf uns zu, streicht uns über dem Kopf und brüllt so laut er kann: „Ja du bist ja ein Guter!“ /sis

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Intervallfasten – gut, aber keine Wunderwaffe

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Meine Meinung – von Sibylle Schwertner

Intervallfasten ist ein Schlagwort unserer Zeit. Einem Jungbrunnen gleich werden dieser Ernährungsmethode geradezu magische Kräfte zugeschrieben. Von grandiosen Gewichtsabnahmen ist die Rede, von verjüngter Haut bis hin zu mehr Bewegungsfreude, auch bei nicht mehr ganz so jungen Menschen. Auf unzähligen Seiten im Netz wird von echten, aber leider auch vielen selbsternannten Ernährungs- und Gesundheitsexperten von der großartigen Wirkung des Intervallfastens geschwärmt. Was ist dran an der Wunderwaffe Intervallfasten? Hält die Methode was sie verspricht?

Ein Selbstversuch über acht Monate mit der 16:8-Methode, also 16 Stunden fasten, acht Stunden essen, spricht in der Tat für das Intervallfasten. In den 16 Fastenstunden werden keine Kalorien aufgenommen, es gibt nur Wasser oder Tee und am Morgen eine Tasse Kaffee, aber ohne Zucker und Milch selbstverständlich. Mit den anderen Intervallen, beispielsweise zwei Tage fasten bei maximal 500 Kalorien, fünf Tage essen was man will, liegen keine eigenen Erfahrungen vor, sie werden deshalb hier nicht berücksichtigt. Man kann aber anhand der Berichte davon ausgehen, dass sich bei ihnen kaum andere Wirkungen zeigen. Bei der 16:8-Methode jedenfalls nimmt man tatsächlich ab, allerdings in winzig kleinen Schritten, dafür aber stetig, Gramm für Gramm. Aber leider nicht durch das Intervallfasten alleine. Vielmehr muss man in den acht Essensstunden sehr wohl darauf achten, was und vor allen Dingen wieviel man isst. Denn auch hier gilt ganz klar, wer mehr „Energie“ zu sich nimmt, als er verbraucht, hat ein Problem, da hilft auch Intervallfasten nicht. Auch die so hoch gelobte „Flexibilität des Zeitrahmens“ hat ihre Tücken. Es ist nämlich nicht wirklich egal, ob man heute von 20 bis 12 Uhr und am nächsten Tag von 18 bis 10 Uhr fastet. Denn: Der innere Schweinehund muss jeden Tag aufs Neue überwunden werden, wenn man sich nicht an die einmal festgelegte Zeitspanne hält. Nach dem Motto „Kein Problem, esse ich morgen eben später“ geht es nur mit sehr viel mehr Disziplin, als wenn man stur jeden Tag die gleichen Zeiten beibehält und zwar tatsächlich auf die Minute genau. Gegessen wird um 12, nicht 5 Minuten und auch nicht zwei Minuten vorher, punkt 12, fertig! Wer das nicht schafft, tut sich mit wechselnden Zeiten vermutlich noch viel schwerer. Natürlich kann man auch einmal den festgelegten Zeitrahmen verschieben, etwa bei Festen, Einladungen und sonstigen wichtigen Ereignissen. Nur sollte man das lieber nicht zu häufig tun. Die Versuchung wird sonst jeden Tag größer und die Ausnahme dann rasch zur Regel.

Kommen wir zum Positiven am Intervallfasten, natürlich ohne auf die wissenschaftlich noch nicht nachgewiesenen Auswirkungen auf allerlei schwere Krankheiten einzugehen. Das kann ohnehin niemals Thema eines Selbstversuches sein. Wer krank ist, geht zum Arzt und nicht ins Internet! Auch wenn man allein durch das zeitlich begrenzte tägliche Fasten kein Gramm an Gewicht verliert, sind die körperlichen und psychischen Auswirkungen dennoch beachtlich. Zu diesen kleinen aber sehr angenehmen Veränderungen zählt beispielsweise eine Regulierung des gesamten Verdauungssystems mit allen damit in Zusammenhang stehenden positiven Einflüssen auf das körperliche Wohlbefinden. Man fühlt sich insgesamt fitter, lebendiger und eine gehörige Portion mobiler. Und selbstverständlich wird die Nahrungsaufnahme bewusster. Man stopft nicht mehr achtlos irgendetwas in sich hinein. Und man freut sich auf die erste Mahlzeit nach der Fastenperiode, wählt das, was man isst mit sehr viel Bedacht und genießt es wie ein Fünf-Sterne-Menü, auch wenn es sich nur um einen ganz profanen Teller Linsensuppe handelt.

Gerade für ältere Menschen kann Intervallfasten – so es der Arzt erlaubt – tatsächlich zum ersehnten Jungbrunnen werden. Nein, die Falten und grauen Haare verschwinden nicht, aber man hat wieder mehr Energie und damit das Bedürfnis etwas zu tun. Auch Dinge, die einem in letzter Zeit vielleicht zu beschwerlich waren oder zu denen man keine Lust mehr hatte. Und ehrlich gesagt, wenn nur die Hälfte dessen zutrifft, was dem Intervallfasten nachgesagt wird, dann ist es auf jeden Fall einen Versuch wert! /sis

Recht muss Recht bleiben

Recht muss Recht bleiben

Meine Meinung – von Sibylle Schwertner

Im Zuge der missglückten Abschiebung des mutmaßlichen Gefährders Sami A. ist eine heftige Diskussion entbrannt, ob Richter sich an das vorliegende Gesetz halten müssen oder doch – wie es der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Herbert Reul, nach dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster gefordert hat – ihre Entscheidungen dem “Rechtsempfinden der Bevölkerung” anpassen sollten.

Zwei Meinungen scheinen sich unversöhnlich gegenüber zu stehen: Zum einen wird die Auffassung vertreten, das Urteil sei schlicht ein Skandal und man lästert mehr oder minder deftig über „unsere Bananenrepublik“. Zum anderen gibt es jene, die das Urteil wenn auch zähneknirschend akzeptieren und darauf verweisen, dass richterliche Entscheidungen auf keinen Fall dem Rechtsempfinden von irgendwem angepasst werden dürfen. Und es gibt wie immer die Besserwisser, die einfach meinen, man müsse das Gesetz ändern – und zwar so lange bis es passt!

In dem in Rede stehenden Beschluss des OVG Münster, mit dem lediglich über den Beschwerdeantrag der Stadt Bochum und nicht die Abschiebung von Sami A. entschieden wurde, geht es nicht nur um die Rückholung des nach Tunesien abgeschobenen Gefährders, sondern nicht zuletzt auch um das indiskutable Verhalten einer Behörde im Umgang mit der Justiz. Die Diskussion über die Anpassung an das “Rechtsempfinden der Bevölkerung” zielt also in diesem Zusammenhang in die völlig falsche Richtung! Das “Rechtsempfinden der Bevölkerung” wäre im Gegenteil sogar ganz erheblich gestört worden, wenn das Gericht dieses Fehlverhalten nachträglich wie auch immer gebilligt hätte. Denn auch eine Behörde kann nicht machen was sie will! 

Recht muss Recht bleiben. Was passiert, wenn Recht und Gesetz nach Gutdünken ausgelegt, umgangen oder gar ausgesetzt werden, haben viel zu viele Menschen rund um den Globus auch in jüngster Zeit wieder bitter erfahren müssen. Und in Deutschland vertiefen die permanenten Diskussionen, gerade wenn es um das sensible Thema Abschiebung geht, den bereits vorhandenen Riss in der Gesellschaft. Darum sollten wenigstens die Entscheidungen unserer Gerichte von der “Bevölkerung”, die in juristischen Belangen doch überwiegend nur über rudimentäres Wissen verfügt, auch erst einmal ohne Wenn und Aber anerkannt werden. Wir alle können nämlich sicher sein, es finden sich rasch genügend Rechtskundige, die, besteht auch nur der Hauch eines Zweifels, garantiert dafür sorgen, dass Recht und Gesetz am Ende “obsiegen” – wie es in Juristendeutsch so schön heißt.

Hundeattacken: Es kann immer etwas passieren!

Hundeattacken: Es kann immer etwas passieren!
Dobermänner liegen bei Beißattacken auch weit vorne. Ein Steuereintreiber hat diese Rasse 1870 gezüchtet. Damit ist eigentlich alles gesagt. Foto: Schwertner

Meine Meinung

von Sibylle Schwertner

Wenn sie zubeißen, bekommen sie grausige Schlagzeilen. Von Bestien ist dann die Rede, von unberechenbaren Killern. Gemeint ist der beste Freund des Menschen: der Hund. Was ist er denn nun, Freund oder Feind?

Früher, als jeder Hund noch eine Aufgabe hatte, war er unverzichtbares Nutztier auf jedem Hof. Er bewachte Hab und Gut, hielt die Herde zusammen, holte die erlegte Beute ab oder trieb Hasen aus ihren Bauten. Er wurde gebraucht, wenn auch nicht immer geliebt. Er fraß das, was die Menschen übrig ließen, hauste in Zwinger oder Stall und durfte, wenn er nicht im Einsatz war, einfach nur Hund sein. Und heute? Nur wenige Hunde haben noch eine Aufgabe. Rund 8 Millionen Hunde sind nur noch Haustier. Genaue Zahlen gibt es nicht – was eigenartig anmutet, in Deutschland gibt es sonst für alles und jedes eine genaue Zahl. Zu wissen glaubt man aber, dass von diesen 8 Millionen Hunden 69 Prozent Rassehunde und 31 Prozent Mischlinge sind. Und die Hitliste der beliebtesten Rassen führt der Schäferhund an. Schäferhunde haben auch die Schnauzen vorn, wenn es um Beißattacken geht – angesichts ihrer Verbreitung verwundert das nicht. Also gehörten eigentlich sie auf die „Rasselisten“, gefolgt von Bullterriern und Rottweilern. Unwissend ist man auch, wenn es um die tatsächliche Zahl der Beißattacken geht. Schätzungen gehen von 30.000 bis 50.000 pro Jahr aus. Gesichert ist auch diese Zahl nicht. Man will aber wissen, dass es in den letzten Jahren zu mehr Beißvorfällen gekommen ist. Das liegt vermutlich nur daran, dass über diese Vorfälle auf allen denkbaren Kanälen berichtet wird, über jeden einzelnen gerne mehr als ein Mal. Vielleicht sind es mehr Beißattacken als früher. Bedenkt man aber die Lebensumstände der Hunde heute kann auch das nicht wirklich verwundern.

Natürlich steht kein Hund morgens auf und beschließt mal eben seine Besitzer zu zerfleischen. Es muss schon eine Menge schiefgelaufen sein, ehe ein Hund zubeißt – und jeder halbwegs gesunde Hund warnt vorher. Für Erwachsene ist das gut erkennbar – wenn sie denn hinschauen. Für Kinder nicht. Deshalb gilt: Nie ein Kind mit einem Hund alleine lassen, auch wenn gerade dieser Hund der berühmte, brave Familienhund ist, der gerne mit „Der tut nix“ auf die Menschheit losgelassen wird.

Tatsache ist: Es kann immer etwas passieren! Wer das nicht akzeptiert, hat schlicht das Wesen des Hundes nicht verstanden. /sis

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