Kunst – wo fängt sie an, wo hört sie auf?

Meine Meinung

von Sibylle Schwertner

Ein Leser hat einmal gesagt, “Kunst ist, was ich nicht kann!” Hat er recht? Foto: Pixabay

„Ist das Kunst, oder kann das weg?“ ist nicht erst seit der wohlgemeinten Beseitigung der berühmten „Fettecke“ von Joseph Beuys im Jahre 1986 eine beliebte Schlagzeile von Journalisten.

Vermutlich gibt es „Meinungsverschiedenheiten“ über Kunst schon so lange, wie es eben Kunst gibt. Was dem einen gefällt, ist dem anderen ein Graus. Das gilt für sämtliche Gattungen von Malerei, Bildhauerei über Musik, Literatur, Theater bis hin zu Film und Fernsehen. Kunst ist Geschmacksache, Kunstfreiheit hingegen kennt Grenzen.

Kunst soll uns in erster Linie zum Staunen bringen über all das Schöne, das der Mensch gestalten kann. Sie soll aber auch provozieren, wachrütteln und Missstände aufzeigen. Ob fünf Pfund Butter in einer Museumsecke diesem Anspruch gerecht werden? Darüber wird eben heftig gestritten. Genauso heftig wie über die Freiheit der Kunst. Was ist von ihr gedeckt, was geht eindeutig zu weit. Der jüngste Eklat bei der Verleihung des „Echo“-Musikpreises in der Kategorie Rap hat diese Frage wieder einmal in den Mittelpunkt gerückt. Nicht nur Satire kann provozieren, sondern in ganz besonderer Weise eben auch Musiktexte. In diesem Fall in besonderer Weise deshalb, weil es hauptsächlich Kinder und Jugendliche sind, die solche Musik hören. Aufrufe zu Gewalt und Rassismus fallen gewiss nicht unter die Kunstfreiheit.

Auch wenn sie für Erwachsene vielleicht noch duldbar sein mögen. Für Kinder und Jugendliche sind solche Texte ganz einfach schädlich, sie sind noch nicht in der Lage, ihre Bedeutung richtig einzuschätzen. Kunstfreiheit ist nicht nur in diesem Zusammenhang ein Drahtseilakt. Denn wie bei allen Freiheitsrechten endet auch die Kunstfreiheit genau da, wo die Freiheit des Nächsten beginnt.

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