Hundeattacken: Es kann immer etwas passieren!

Dobermänner liegen bei Beißattacken auch weit vorne. Ein Steuereintreiber hat diese Rasse 1870 gezüchtet. Damit ist eigentlich alles gesagt. Foto: Schwertner

Meine Meinung

von Sibylle Schwertner

Wenn sie zubeißen, bekommen sie grausige Schlagzeilen. Von Bestien ist dann die Rede, von unberechenbaren Killern. Gemeint ist der beste Freund des Menschen: der Hund. Was ist er denn nun, Freund oder Feind?

Früher, als jeder Hund noch eine Aufgabe hatte, war er unverzichtbares Nutztier auf jedem Hof. Er bewachte Hab und Gut, hielt die Herde zusammen, holte die erlegte Beute ab oder trieb Hasen aus ihren Bauten. Er wurde gebraucht, wenn auch nicht immer geliebt. Er fraß das, was die Menschen übrig ließen, hauste in Zwinger oder Stall und durfte, wenn er nicht im Einsatz war, einfach nur Hund sein. Und heute? Nur wenige Hunde haben noch eine Aufgabe. Rund 8 Millionen Hunde sind nur noch Haustier. Genaue Zahlen gibt es nicht – was eigenartig anmutet, in Deutschland gibt es sonst für alles und jedes eine genaue Zahl. Zu wissen glaubt man aber, dass von diesen 8 Millionen Hunden 69 Prozent Rassehunde und 31 Prozent Mischlinge sind. Und die Hitliste der beliebtesten Rassen führt der Schäferhund an. Schäferhunde haben auch die Schnauzen vorn, wenn es um Beißattacken geht – angesichts ihrer Verbreitung verwundert das nicht. Also gehörten eigentlich sie auf die „Rasselisten“, gefolgt von Bullterriern und Rottweilern. Unwissend ist man auch, wenn es um die tatsächliche Zahl der Beißattacken geht. Schätzungen gehen von 30.000 bis 50.000 pro Jahr aus. Gesichert ist auch diese Zahl nicht. Man will aber wissen, dass es in den letzten Jahren zu mehr Beißvorfällen gekommen ist. Das liegt vermutlich nur daran, dass über diese Vorfälle auf allen denkbaren Kanälen berichtet wird, über jeden einzelnen gerne mehr als ein Mal. Vielleicht sind es mehr Beißattacken als früher. Bedenkt man aber die Lebensumstände der Hunde heute kann auch das nicht wirklich verwundern.

Natürlich steht kein Hund morgens auf und beschließt mal eben seine Besitzer zu zerfleischen. Es muss schon eine Menge schiefgelaufen sein, ehe ein Hund zubeißt – und jeder halbwegs gesunde Hund warnt vorher. Für Erwachsene ist das gut erkennbar – wenn sie denn hinschauen. Für Kinder nicht. Deshalb gilt: Nie ein Kind mit einem Hund alleine lassen, auch wenn gerade dieser Hund der berühmte, brave Familienhund ist, der gerne mit „Der tut nix“ auf die Menschheit losgelassen wird.

Tatsache ist: Es kann immer etwas passieren! Wer das nicht akzeptiert, hat schlicht das Wesen des Hundes nicht verstanden. /sis

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