Zähe Geschichte mit dramatischem Ende

Zähe Geschichte mit dramatischem Ende
Kritik zum Tatort Ludwigshafen „Leonessa“
ARD/SWR Tatort “Leonessa”: Die Ludwigshafener Tatort-Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter). (Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg)
Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Peter Becker (Peter Espeloer) rekonstruieren vor Samirs (Mohamed Issa) Augen den wahrscheinlichen Tathergang. (Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg)

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) zeigt sich recht dünnhäutig in ihrem neuesten Fall „Leonessa“ aus der Feder von Drehbuchautor Wolfgang Stauch. Alles andere als dünnhäutig aber waren die Protagonisten, Vanessa Michel (Lena Urzendowsky), Leon Grimminger (Michelangelo Fortuzzi) und Samir Tahan (Mohammed Issa), drei Jugendliche, die mit sich und der Welt nichts anzufangen wissen. Von den völlig hilflosen Eltern, die sich selbst kaum versorgen können, im Stich gelassen, versuchen die Teenager ihr Taschengeld durch Prostitution aufzubessern und können sich trotz gefüllter Kassen nicht aus dem allgegenwärtigen Sumpf aus Alkohol, Drogen und Missbrauch befreien, so sehr sie sich auch bemühen. Zudem bringt der Wirt ihrer Stammkneipe sie in Bedrängnis, so dass ihnen am Ende nichts weiter übrigbleibt, als ihn zu ermorden. Lena Odenthal und Johanna Stern (Lisa Bitter) kümmern sich aber weniger um die Mordermittlung, als vielmehr um die Jugendlichen, die sie meinen vor einem nicht auszumachenden Zuhälter beschützen zu müssen, auch wenn Vanessa und ihre beiden Bewunderer das gar nicht wollen. Der Titel “Leonessa” soll eine Kombination aus Leon und Vanessa sein, quasi Brangelina für Arme. Lena bringt die Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen so in Rage, dass sie mit einem Apfel nach der eher nüchtern agierenden Johanna Stern wirft. Und am Ende, nachdem es Lena nicht gelingt, den jugendlichen Täter von seinem Selbstmord abzuhalten, bricht sie gar in Tränen aus.

Dramatisch das Ende, viel zu lang und zäh die Geschichte. Das ist das Fazit dieses Tatorts, bei dem man einmal mehr gegen den Schlaf ankämpfen musste: Eine gelungene Sozialstudie, aber von Spannung keine Spur, nicht immer nachvollziehbar die Handlungen und Emotionen – und das alles vor der Kulisse einer grauen, menschenunwürdigen Satelitensiedlung am Rande von Ludwigshafen. Kein schönes Bild der Chemiestadt am Rhein, das da gezeichnet wurde – und auch nicht unbedingt zutreffend. /sis

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ist erstaunt, wie wenig Cornelia (Camilla Nowogrodziki) und Kay (Konstantin-Philippe Benedikt) sich für das interessieren, was ihre minderjährige Tochter treibt. (Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg)

Brutale Mörder als Opfer inszeniert

Brutale Mörder als Opfer inszeniert
Kritik zum Tatort Ludwigshafen – Vom Himmel hoch
ARD/SWR Tatort: Vom Himmer hoch – Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter), das neue Tatort-Ermittlerteam in Ludwigshafen. (Foto: SWR/Sabine Hackenberg)

Ein Politthriller sollte es werden, der Tatort aus Ludwigshafen mit der in die Jahre gekommenen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und der blutjungen Anfängerin Johanna Stern (Lisa Bitter). Was der Zuschauer aber zu sehen bekam, war wieder einmal der plumpe Versuch, brutalste Mörder als Opfer zu inszenieren. In diesem Fall drei Verdächtige mit jeweils eigener, gewiss tragischer Geschichte. Aber rechtfertigen persönliche Erlebnisse und Schicksalsschläge den Mord an anderen?

Gerade bei der am Ende als Mörderin des Psychiaters Professor Steinfeld überführten Heather Miller (Lena Drieschner) wollte kein Mitleid aufkommen. Schließlich hat sie ihren Dienst beim Militär freiwillig angetreten, niemand hat sie gezwungen mit Drohnen Jagd auf Frauen, Kinder und Alte zu machen. Dass sie diese Tätigkeit letztlich in den Wahnsinn und damit in die Arme des renommierten Psychiaters getrieben hat, war als Krimivorlage aber durchaus geeignet, nur die Hintergründe wollen nicht so recht passen. Krieg und Vernichtung haben in einem Sonntagabend-Krimi nichts verloren. Und so waren die beiden eingestreuten Kriegssequenzen auch reichlich fehl am Platz und obendrein entbehrlich. Das komplexe Thema „Drohne als gnadenlose Präzisionswaffe” lässt sich ohnehin nicht am Rande eines Kriminalfalles bearbeiten.

Auch die beiden anderen Verdächtigen, ein kurdisches Brüderpaar, gab sich alle Mühe, als Opfer Verständnis für seine Attentatspläne zu wecken. Aber das erläuternde Bekennervideo sorgte allenfalls für ratloses Kopfschütteln: “Wir fühlen uns recht wohl hier, können aber die bundesdeutsche Verlogenheit nicht länger tolerieren und bestrafen euch deshalb mit Tod und Vernichtung”, so ihre verquere Botschaft.

Witzigerweise aber gelingt es in diesem „Politthriller“ der in der tiefsten Provinz tätigen Kommissarin Lena Odenthal aus einem gelben Plastikfetzen, einigen Zeitungsartikeln und dem Einsatzbericht über zwei fotografierende Ausländer ein Attentat vorherzusagen und damit letztlich sogar zu verhindern. Das lässt CIA und BND mit ausgeklügelter Technik und Spezialtrupps für jede Eventualität doch ziemlich schlecht aussehen.

Schlecht ausgesehen hat auch so manch andere Szene in diesem Tatort: Etwa Dr. Christa Dietrich (Beate Maes), Kollegin des ermordeten Psychiaters, die sich einen Eimer Putzwasser macht, dann aber den Lappen nicht ein einziges Mal in den Eimer taucht. Oder der arrogante Oberstaatsanwalt (Max Tidof), dem wieder einmal sein eigener Ruf wichtiger war als Recht und Gesetz, ein gern bedientes Klischee in deutschen Krimis. Ganz schlecht sah natürlich auch Kommissarin Johanna Stern aus, die ganz arglos in die Wohnung einer kampferprobten Soldatin stapfte und sich dann schnell in Unterwäsche an die Heizung gefesselt wiederfand. Und auch Lena Odenthals Rettungsschussaktion warf beim Zuschauer einige Fragen auf: Wie kann es sein, dass sich die Sicherheitsbeamten einfach zurückziehen ohne das geringste Interesse für die Attentäterin und die rettende Polizistin? Lena erschießt Heather Miller, bleibt ganz allein mit ihr zurück und darf anschließend völlig unbehelligt den Tatort verlassen?

Und genauso rätselhaft für die Zuschauer bleibt natürlich das plötzlich freundschaftliche Verhältnis zwischen Lena Odenthal und ihrer jungen Kollegin Johanna Stern. In den vorangegangenen Tatorten aus Ludwigshafen kannte der Zickenkrieg der beiden keine Grenzen. Und jetzt präsentieren sie sich als beste Freundinnen mit der Aussicht auf die große Liebe? So sehr kann Lena Odenthal ihren Mario Kopper doch gar nicht vermissen! Zusammenfassend aber kann man durchaus sagen: Es gab schon schlechtere Tatorte aus Ludwigshafen. /sis

 

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