Endlose Dialoge und vorhersehbares Ende

Kritik zum Tatort Ludwigshafen „Der böse König“
ARD/SWR Tatort “Der böse König”: Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, links) und Johanna Stern (Lisa Bitter) verfolgen einen Tatverdächtigen. (Foto: SWR/Benoit Linder)
Demonstrativ zeigt Anton Maler (Christopher Schärf), der Kommissarin (Ulrike Folkerts), wie innig er sich um seine kranke Freundin Caro (Lana Cooper) kümmert. (Foto: SWR/Benoit Linder)

Man ist als Zuschauer schon froh, wenn der aktuelle Tatortfall nicht politisch angehaucht ist. Aber drei Mal in Folge einen Psychopaten als Täter ist auch nicht unbedingt so spannend. Nach “Die Amme“ aus Wien und „Der Herr des Waldes“ aus Saarbrücken mussten sich die Ludwigshafener Ermittlerinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) nun mit einem „König“ rumschlagen, einem armseligen Versagertyp, der nichts auf die Reihe bekam, sich aber dennoch bei jeder Gelegenheit als Held und guter Mensch inszenierte. Eine Persönlichkeitsstörung, keine Frage – vermutlich eine histrionische sollte es wohl sein. Anton Maler (Christopher Schärf), eine Art Johnny Depp für Arme, der lieber Antoine genannt werden wollte, brauchte den Applaus seiner Umwelt wie die Luft zum Atmen. Begriff einer seine Einzigartigkeit nicht, war es schnell vorbei mit seiner charmanten, freundlichen Art, dann griff er zum Baseballschläger. Ganz nebenbei versuchte er noch seine Ex-Freundin Caro Meinert (Lana Cooper) zu vergiften, weil die sich von ihm getrennt hatte, und stellte schließlich Johanna Stern nach. 70 Minuten bestand „Der böse König“ einzig aus Dialog. Keine Spannung, keine überraschenden Wendungen, nur Dauergequassel ohne Punkt und ohne Komma. Erst die letzten 20 Minuten, als Anton Antoine Maler bei Johanna Stern zuhause auftauchte und am Ende gar ins Haus eindrang und Sterns Tochter bedrohte, kam etwas Spannung auf, die aber rasch wieder abebbte. Denn der erwartete Showdown blieb aus: Lena Odenthal überwältigte Maler und vorbei war es.

Die Ursachen für Malers Persönlichkeitsstörung wurden nicht thematisiert. Johanna Sterns psychologische Kenntnisse standen im Vordergrund, konzentrierten sich aber mal auf den einen mal auf den anderen Verdächtigen. So konnte keine Spannung aufkommen. Zu schnell war jedem Zuschauer klar, was da gespielt wurde. Eine der Kommissarinnen in Gefahr zu bringen, war wieder einmal die einzige Möglichkeit für Drehbuchautor und Regisseur Martin Eigler, der Geschichte doch noch ein wenig Leben einzuhauchen. Die Darstellung der gestörten Persönlichkeit und deren Hang zur hemmungslosen Brutalität waren sicher interessant, für einen Krimi hätte es aber gerne etwas geheimnisvoller, überraschender und temporeicher sein dürfen! /sis

Was will Anton Maler (Christopher Schärf) mit dem Baseballschläger am Abend vor Johanna Sterns Zuhause? Johanna (Lisa Bitter) versucht die Situation einzuschätzen … (Foto: SWR/Benoit Linder)

Anders als im neuen Tatort aus Ludwigshafen konzentrierte sich Regisseur Tom Bohn beim letzten Fall “Hetzjagd” auf die Stärken des Films: Zeigen statt reden!

ARD/SWR Tatort “Hetzjagd”: Marias schlimmste Befürchtungen bewahrheiten sich, als sie am Rheinufer die Leiche ihres Freundes Tilmann sieht, dessen Tod von Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) untersucht wird. (Foto: SWR/Jacqueline Krause-Burberg)

 

 

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