Vom Professor zum Kuhhirten und zurück

An seinem Geburts- und Sterbeort erinnern Dankmäler an August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der mit seinen Liedern und Gedichten einen wichtigen Beitrag zur politischen Willenbildung in Deutschland geleistet hat.

Genauso wechselvoll wie die Geschichte der deutschen Nationalhymne ist auch der Lebenslauf ihres Dichters: Heinrich August Hoffmann von Fallersleben, der meist vertonte Dichter seiner Zeit.

Auch wenn er sich selbst in seiner Biografie als „armen Poeten“ beschreibt, war er ein cleverer Geschäftsmann, der es verstand aus seiner Begabung Profit zu schlagen. Über 550 Lieder hat er geschrieben, darunter die noch heute bekannten Kinderlieder „Alle Vögel sind schon da“ oder „Morgen Kinder wird’s was geben“. Berühmte Komponisten wie Robert Schumann, Mendelsohn-Bartholdy und Johannes Brahms sorgten für die Musik.

Aber sein Leben war alles andere als einfach. August Heinrich Hoffmann wird am 2. April 1798 in Fallersleben, heute Stadtteil von Wolfsburg, in eine gutbürgerliche Familie geboren. Er besucht die Bürgerschule und später das Gymnasium. Nach dem Abitur beginnt er 1816 in Göttingen Theologie zu studieren. Doch dann begegnet er 1818 in Kassel Jacob Grimm. Diese schicksalhafte Begegnung bringt Hoffmann auf seinen später so erfolgreichen Lebensweg. Er studiert Germanistik und deutsche Philologie und veröffentlicht schon 1821 eine erste Gedichtsammlung, der Beginn seiner großartigen Karriere. Um Verwechslungen zu vermeiden gibt er sich selbst den Namenszusatz „von Fallersleben“. Er beschäftigt sich indes nicht nur mit eigenen Gedichten, sondern erforscht als Bibliothekar an verschiedenen Universitäten historische Schriftstücke und tatsächlich gelingen ihm einige wichtige Funde wie Bruchstücke von Otfrieds Evangelienbuch in der „Summa Theologiae“ des Thomas von Aquin. Und er entdeckt sein Interesse für die alte niederländische Literatur. Das ebnet ihm den Weg in eine Professur für deutsche Sprache und Literatur 1830 in Breslau.

Wie viele Studenten seiner Zeit schloss er sich der Burschenschaft an, jener Gemeinschaft von Studenten, die schließlich 1832 mit Bürgern zusammen auf das Hambacher Schloss marschierten, um der demokratischen Idee zum Durchbruch zu verhelfen. Diese Mitgliedschaft hatte naturgemäß erheblichen Einfluss auf Hoffmann von Fallerslebens politische Ansichten, die zunehmend Ausdruck in seinen Gedichten und Liedern fanden. So entstand 1841 auch das „Lied der Deutschen“, unsere Nationalhyme, auf Helgoland, wo er einem Treffen von Liberalen beiwohnte. Mit der Veröffentlichung seiner „Unpolitischen Lieder“ 1840 war es dann vorbei mit seiner Karriere als Literaturprofessor. Die Lieder erregten rasch den Zorn der Obrigkeit. Sein an ein Grimm’sches Märchen angelehntes Gedicht „Knüppel aus dem Sack“ beispielsweise droht ganz offen damit, mit dem berühmten Zauber-Knüppel nur zu gerne für „Freiheit, Recht und Ruh‘“ sorgen zu wollen. 1842 entzog man ihm die Professur und 1843 schließlich auch noch die preußische Staatsbürgerschaft. Zwar fand er mit Hilfe seiner einflussreichen Freunde immer wieder Unterschlupf, doch Hoffmann von Fallersleben war fortan gezwungen ein Wanderleben zu führen, das ihn durch die deutschen Kleinstaaten führte, aus denen er immer wieder ausgewiesen wurde. Ruhe fand er erst auf einem Gut in Mecklenburg, wo er sich aber als Kuhhirte verdingen musste. Aus dieser Zeit stammen trotzdem die meisten seiner durchweg fröhlichen Kinderlieder.

Trotz der politischen Schmähungen genoss Hoffmann von Fallersleben einen sehr hohen Bekanntheitsgrad und war mit zahlreichen prominenten Persönlichkeiten befreundet, neben den Gebrüdern Grimm etwa Franz Liszt, Friedrich Karl von Savigny und der Philosoph Georg Friedrich Hegel. Mit ihrer Hilfe und dank inzwischen wohlwollender Männer in der Regierung gelingt es 1849 Hoffmann von Fallerslebens zu rehabilitieren. Er kehrt ins Rheinland zurück und gründet mit Ida vom Berg eine Familie. Doch nur eines seiner vier Kinder überlebt und auch seine geliebte und in vielen Gedichten und Liedern verehrte Frau stirbt mit gerade einmal 29 Jahren an den Folgen einer Totgeburt am 28. Oktober 1860, an ihrem elften Hochzeitstag. Im selben Jahr tritt Hoffmann von Fallersleben eine Stelle als Bibliothekar auf Schloss Corvey, eine ehemalige Benediktinerabtei auf dem heutigen Stadtgebiet von Höxter, an und beginnt mit den Arbeiten an seiner am Ende sechsbändigen Biografie. Am 19. Januar 1874 erleidet er einen Schlaganfall und stirbt.

Auch wenn man sich heute an August Heinrich Hoffmann von Fallersleben kaum noch erinnert, seine Lieder und Gedichte, mit denen er zu „Einigkeit, Recht und Freiheit“ aufrufen wollte, sind nach wie vor in aller Munde. Seinem Leben nachspüren können Interessierte im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum im Schloss Fallersleben in Wolfsburg. /sis

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