Peter Paul Rubens – ein Leben für die Kunst (und das Geschäft)

Peter Paul Rubens – Selbstporträt

Im Mai 2018 war im Ausstellungshaus des Städel Museums in Frankfurt eine bedeutende Sonderausstellung mit etwa 100 Arbeiten – darunter 31 Gemälde und Zeichnungen – von Peter Paul Rubens (1577–1640) unter dem Titel „Rubens. Kraft der Verwandlung“ zu sehen.

Die Ausstellung zeigte, wie tief Rubens in den Dialog mit Kunstwerken berühmter Vorgänger und Zeitgenossen eintrat und wie dies sein fünfzigjähriges Schaffen prägte. 

Geboren wurde Peter Paul Rubens vermutlich am 28. Juni 1577 in Siegen in Nordrhein-Westfalen, (das genaue Geburtsdatum steht nicht zweifelsfrei fest) als Sohn des aus Antwerpen stammenden Rechtsanwalts Jan Rubens. Er hatte sechs Geschwister. Als Calvinist musste sein Vater 1568 mit seiner Frau Maria vor der spanischen Besatzung Antwerpens fliehen und kam nach Köln. Eine Affäre mit der Ehefrau von Willem von Oranien, dem Anführer der holländischen Revolte gegen Spanien, brachte ihm schließlich die Verbannung nach Siegen ein. Nach Jan Rubens Tod 1587 kehrte seine Frau Marie mit den Söhnen Peter Paul und dessen älteren Bruder Philip nach Antwerpen zurück. Hier besuchte Peter Paul die Lateinschule, konvertierte zum Katholizismus und arbeitete später als Page für eine Adlige. Die höfischen Verhaltensweisen, die er in dieser Zeit erlernt haben musste, erwiesen sich zusammen mit seinen außergewöhnlichen Sprachkenntnissen, neben Latein waren das unter anderem Italienisch, Spanisch, Französisch und Deutsch, später im Umgang mit Auftraggebern und beim Studium alter Quellen in Italien und Spanien als äußerst nützlich. Seine Mutter hatte eher an eine akademische Laufbahn für ihren Sprössling gedacht, doch zu Beginn der 1590er Jahre entschied sich Peter Paul, das Malerhandwerk zu erlernen. Er wurde Schüler von Antwerpener Meistern und 1598 als Freimeister in die Lukasgilde aufgenommen. Heute würde man diese Vereinigung vermutlich als Berufsverband für alle Antwerpener Künstler bezeichnen, der beispielsweise vorgab, mit welchem Holz Schnitzereien hergestellt werden mussten. 1600 zog es Rubens dann nach Italien, er wollte sich mit der klassischen Antike beschäftigen, traf aber auf den Kunstliebhaber Herzog Vincenzo Gonzaga, der Rubens Talent erkannte und ihn entsprechend förderte. So konnte er in Genua und Rom bedeutende Meister wie Tizian und Michelangelo kopieren. 1608 kehrte er nach Antwerpen zurück und wurde ein Jahr später von Herzog Albert VII. von Österreich zum Hofmaler berufen. Mit dieser Ernennung war nun nicht nur eine feste Honorierung verbunden, sie befreite zugleich auch von allen Steuerpflichten. Und das wiederum ermöglichte Rubens die Heirat mit Isabelle Brant, der Tochter eines angesehenen Antwerpener Anwalts. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Die in Italien und zwischendurch auch als Gesandter des Herzogs Gonzaga in Spanien erlangten Kenntnisse waren es, die Rubens Werk entscheidend prägten und ihn zum unübertroffenen Meister werden ließen. In seinen Werken finden sich auf den zweiten Blick immer wieder Hinweise auf Werke von Künstlern unterschiedlicher Epochen.

Peter Paul Rubens war nicht nur ein genialer Maler, er erwies sich auch als äußert geschickter Geschäftsmann. Es gelang ihm mit seinem Arbeiten ein einträgliches Geschäft aufzubauen. In seiner Werkstatt arbeiteten bekannte flämische Maler wie etwa Anthonis van Dyck und Jan Bruegel der Ältere. Rubens bediente mit mehr als 3000 Werken den gesamten europäischen Kunstmarkt. Seine breit gestreuten Geschäftskontakte und die überragenden Sprachkenntnisse ermöglichten ihm zudem eine zweite Karriere als Diplomat und Politiker, die er allerdings 1630 beendete. Im gleichen Jahr heiratete er – zu dem Zeitpunkt bereits 53 Jahre alt – die erst 16-jährige Helene Fourment. Seine erste Ehefrau Isabelle war im Alter von nur 35 Jahren 1626 der Pest erlegen. Für Köln, eine Stadt, die Rubens nach eigener Aussage sehr mochte, vollendete er mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs das Gemälde „Kreuzigung Petri“ für den Hauptaltar seiner Taufkirche St. Peter. Es war seine letzte Arbeit. Kurze Zeit später, am 30. Mai 1640, erlag er seiner Gichterkrankung in Antwerpen.

Antwerpen huldigt den berühmten Sohn natürlich angemessen. Das Rubenshaus, eines der bekanntesten Künstlerhäuser der Welt, ist die ehemalige Wohn- und Werkstatt von Peter Paul Rubens. Das um 1610 errichtete Bauwerk ist heute ein Museum zu Rubens Leben und Werk. Absolut sehenswert! /sis

Bildernachweis: (1): Ecce homo, nicht später als 1612, © The State Hermitage Museum, Sankt Petersburg 2017; (2): Venus und Cupido, um 1628, © Madrid, Museo Thyssen-Bornemisza, (3): Venus Frigida, 1614, Royal Museum of Fine Arts Antwerp, © www.lukasweb.be – Art in Flanders vzw

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