John Nettles: Shakespeare lässt schön grüßen!

John Nettles (Foto: ZDF)

Als Chief Inspector Tom Barnaby erlangte er Weltruhm, doch die wahre Leidenschaft des Historikers und Buchautors John Nettles gilt der Geschichte der englischen Kanalinseln.

Der bekannte britische Schauspieler John Vivian Drummond Nettles wurde am 11. Oktober 1943 als Sohn einer Irin in Manchester geboren. Über seinen leiblichen Vater ist nichts bekannt. Nettles wurde von Eric und Elsie Nettles adoptiert und zog mit seiner neuen Familie vom Nordwesten nach St. Austell ans andere Ende von England, in den Südosten, nicht weit von der Küste entfernt. Sein Adoptivvater arbeitete als selbstständiger Zimmermann immer am Rande des Ruins, die Mutter verdiente das nötige Kleingeld für das Allernötigste als Reinigungskraft in Hotels und mit Näharbeiten. Die Armut seiner frühen Jugend hat John Nettles nie mehr losgelassen. Er fürchtet sich davor, „dass das Geld eines Tages nicht mehr reichen könnte“, wie er in einem Interview Ende der 1990er Jahre gestand. Dennoch konnte John Nettles die Schule besuchen und später sogar studieren. Er entschied sich für Geschichte und Philosophie. Die Eindrücke als Kriegskind hatten ihn zu dieser Fächerwahl inspiriert, er wollte wissen, was da im Zweiten Weltkrieg passiert war und mit den Instrumenten der Philosophie das Geschehen verstehen und einordnen.

Doch bevor er als Historiker und Buchautor in Erscheinung treten konnte, kam Nettles an der Universität von Southampton mit der Schauspielerei in Berührung, ein ganz anderes Metier, das ihn schließlich vollends in seinen Bann zog. Seine Begeisterung für Shakespeare, schon in frühen Jahre von einem einfühlsamen Lehrer erweckt, brachte ihn auf die Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten, als Mitglied der Royal Shakespeare Company auch in einigen Shakespeare-Klassikern. Es folgten erste Filmrollen und schließlich der Durchbruch mit der Rolle des „Detective Sergeant Jim Bergerac“, eine Polizeiserie, die auf der Kanalinsel Jersey spielte. Die Dreharbeiten dort führten ihn schon zu den Orten, über deren dramatische Geschichte im Zweiten Weltkrieg Nettles als Historiker Jahrzehnte später ein Buch veröffentlichen sollte. Zuvor aber übertraf Nettles den Erfolg von Bergerac in der Rolle des TV-Ermittlers Tom Barnaby, der mit Ausstrahlung in über 200 Länder wahrhaftig Weltruhm erlangte. In 81 Folgen stand Nettles als Barnaby vor der Kamera. Und wer die Serie kennt, hat schnell einige Parallelen ausgemacht. Nettles Filmehefrau hieß Joyce (dargestellt von Jane Wymark), tatsächlich war Nettles bis 1979 mit Joyce Nettles, der Casting-Direktorin der Serie, verheiratet. Aus der Ehe ging eine Tochter hervor, Emma. Tom Barnaby hat auch nur eine erwachsene Tochter Cully (Laura Howard), die in der Serie als angehende Schauspielerin ein ums andere Mal für eine Shakespeare-Inszenierung probt. So schließt sich der Kreis – jedenfalls fast. Denn erst nach seinem Ausstieg aus der Serie kehrt Nettles zu seinen eigentlichen Wurzeln zurück und schreibt ein Buch: Hitlers Inselwahn: Die britischen Kanalinseln unter deutscher Besetzung 1940-1945. Es basiert auf einer Dokumentation, die Nettles für die BBC gemacht hat, in der wiederum einige Bergerac-Drehorte auf Jersey wiederkehren. In Großbritannien war das Buch im Handumdrehen ausverkauft. Die deutsche Übersetzung erschien 2015.

2010 wurde Nettles von Queen Elizabeth II. mit dem Verdienstorden „Order of the British Empire“ ausgezeichnet. Er lebt mit seiner zweiten Frau Cathryn, die er 1995 geheiratet hat, auf einer abgelegenen Farm mit einem bunten Tierreigen in Evesham in der Nähe von Stratford-upon-Avon – und Shakespeare lässt schön grüßen! /sis

V.l.n.r.: DC Ben Jones (Jason Hughes), DCI Tom Barnaby (John Nettles), Joyce Barnaby (Jane Wymark). Foto: obs/ZDF

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