Endlich wieder ein gelungener Krimiabend

Kritik zum Polizeiruf 110 aus Rostock „Dunkler Zwilling“
ARD/NDR Polizeiruf 110 “Dunkler Zwilling”: Die Kommissare König (Anneke Kim Sarnau) und Bukow (Charly Hübner) suchen einen Serienmörder. Sie gehen jeder Spur nach. (Foto: NDR/Christine Schroeder)
Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) schauen sich einen Tatort an. (Foto: NDR/Christine Schroeder)

Das war endlich wieder einmal ein gelungener Krimiabend in der ARD. Die Polizeiruf 110-Folge mit dem Titel „Dunkler Zwilling“ war tatsächlich ein klassischer Krimi mit viel Spannung und Dynamik, so wie man sich das als echter Krimifreund wünscht. Die Rostocker Kommissare Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) zogen die Zuschauer aber nicht nur mit ihrem außergewöhnlichen Fall einer Mordserie in ihren Bann, sondern auch mit der unausgesprochenen Anziehungskraft, die zwischen den beiden herrscht. Bleibt zu hoffen, dass die Macher des Rostocker Polizeirufs diese Kraft nicht durch eine billige Romanze zerstören. Denn es ist gerade die offensichtliche Zuneigung, die das Duo so interessant macht. Ständig steht die Frage im Raum, was denn wohl als nächstes passiert, wenn die beiden sich begegnen. Drehbuchautor und Regisseur Damir Lukacevic hat in der Folge „Dunkler Zwilling“ geschickt mit dieser Anziehungskraft gespielt, etwa wenn er Bukow klar zum Ausdruck bringen lässt, dass er König nicht mehr trauen kann, er ihr aber dennoch bei jeder Gelegenheit seine starke Schulter zum Anlehnen bietet oder ihre Nähe sucht. Zu dunkel ist aber die gemeinsame Vergangenheit.

Recht dunkel war auch die Vergangenheit eines der beiden Verdächtigen. Sechs Morde soll der Unternehmer Kern (Simon Schwarz) begangenen haben, sechs grausige Morde verbunden mit kranken Ritualen. Geschickt führte er Bukow und König an der Nase herum, die sich auf Kerns Tochter Marla (Emilia Nöth) konzentrierten und ihr eine Mitschuld einräumten, sollte sie tatsächlich ihren Vater decken. Neben der spannenden Geschichte um die Morde und deren Aufklärung war es genau der Aspekt der Mitschuld, den dieser Polizeiruf geschickt in den Mittelpunkt rückte. Was heißt es wirklich für eine Familie, wenn der Vater sich als Monster entpuppt, wie trifft es das persönliche Umfeld und den Alltag? Das alles wurde in diesem Polizeiruf thematisiert und großartig in Szene gesetzt.  

Und doch gibt es auch kleinere Kritikpunkte. So war das Motiv für den Serienmörder etwas dürftig. Auch wurde nicht hinreichend geklärt, was es mit den grausigen Ritualen auf sich hatte. Und auch Katrin Königs anfängliche Wortfindungsstörungen erfuhren am Ende leider keine plausible Aufklärung. Das sind aber vergleichsweise unbedeutende Mängel angesichts der außergewöhnlichen Geschichte, die den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in Atem hielt und der durchweg großartigen Leistung der Schauspieler, allen voran Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner. /sis

Zwischen Alexander Bukow (Charly Hübner) und Katrin König (Anneke Kim Sarnau) knistert es gewaltig. (Foto: NDR/Christine Schroeder)

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