Alles andere als überzeugend

Kritik zum Tatort aus dem Schwarzwald „Für immer und dich“
ARD/SWR Tatort “Für immer und dich”: Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) hat nicht mehr damit gerechnet, dass das verschwundene Mädchen nochmal auftaucht. Aber jetzt haben er und Franziska Tobler (Eva Löbau) tatsächlich Spuren von ihr gefunden. (Foto: SWR/Benoit Linder)

Schon der Titel des vierten Tatorts aus dem Schwarzwald gibt Rätsel auf, was ist gemeint mit der Verkürzung, „Für immer und dich“?  Soll es bedeuten, dass der ältere Mann und die Minderjährige „für immer“ zusammenbleiben und „für dich“ – für das junge Mädchen tut der ältere Mann alles was er tut? So kann es nicht gemeint sein, denn der ältere Mann – Martin Nussbaum (Andreas Lust) – entpuppte sich als pädophil veranlagter Versager, der nach einer Firmenpleite mit dem Geld seiner Mutter für sich und ein damals erst 13-jähriges Mädchen eine Auszeit auf der Flucht finanziert. Das Mädchen, Emily Arnold (Meira Durand), ist nicht etwa verliebt in Martin Nussbaum, sie will nur – wie jeder Teenager in dem Alter – weg von Zuhause, sich ausprobieren. Soweit so gut. Emily verschwindet mit Nussbaum und wird erfolglos zwei Jahre gesucht. Dann wird sie plötzlich von ihrer Mutter gesehen und die Polizei-Maschinerie läuft erneut an. Hauptkommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) bekommt den Fall auf den Tisch. Denn der ursprünglich mit der Vermisstensache betraute Hauptkommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ist mit einem Unfall beschäftigt, bei dem ein Junge ums Leben kam. Eine Vermisstensache und eine Verkehrssache also – nicht unbedingt Aufgaben für die Kriminalpolizei möchte man meinen. Und in dieser Konstellation und Motivlage ganz gewiss auch nicht für einen spannenden Krimi geeignet. Tatsächlich war die Folge aus dem Schwarzwald dann auch ziemlich langweilig. Die Geschichte von Drehbuchautor Magnus Vattrodt verzettelte sich in viel Tatfolgegeschehen, beschäftigte sich mit der merkwürdigen Beziehung des ungleichen Pärchens, zeigte die Versuche des älteren Mannes an Geld zu kommen, um das Mädchen weiter bei sich zu halten und zugleich die Bemühungen des Mädchens aus der unheilvollen Beziehung auszubrechen. Dazu wurden zahlreiche Klischees bedient, frei nach dem Motto „Familie ist etwas Wunderbares“. Die Ermittlungen von Berg und Tobler spielten eine eher untergeordnete Rolle und basierten nicht auf Polizeiarbeit, sondern auf Zufallsfunden. Erst der Chip des zum Entsetzen aller Zuschauer brutal erschlagenen Hundes, der Nussbaum gehörte und Emily mehr faszinierte als sein Besitzer, brachte die Kommissare auf die Spur Nussbaums, der, von Emily unbemerkt, den tödlichen Unfall verursacht hatte.

Auch der vierte Tatort aus dem Schwarzwald war alles andere als überzeugend. Ein nachlässig zusammengezimmertes Gerüst für die wahre Geschichte des ungleichen Paares, das Monate lang die Schlagzeilen der Regenbogenpresse beherrschte. Obendrein präsentierten die Macher ein durch die Sommerhitze recht mitgenommen aussehendes Ermittlerteam, dem man so gerne eine erfrischende Dusche gegönnt hätte und zu allem Überfluss auch noch eine Hauptkommissarin auf der Toilette. Die völlig überflüssige Erzählung von Toblers vermeintlicher Schwangerschaft hätte man gewiss auch appetitlicher darstellen oder besser noch weglassen können, wie eigentlich den ganzen Film! /sis

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