Ein beinahe gelungener Thriller

Rezension Marc Elsberg: Helix – Sie werden uns ersetzen

Nach “Blackout” und “Zero” legt Marc Elsberg mit „Helix – Sie werden uns ersetzen“ sein drittes Buch vor. Nach den dramatischen Folgen eines europaweiten Stromausfalls und einem Abstecher in die Welt der Manipulation von jungen Menschen durch intelligente Computerprogramme ist es diesmal das Menschsein selbst, zumindest wie wir es kennen, das der Autor in seinem über 670 Seiten starken Thriller attackiert. Es geht um Genmanipulation bei Pflanzen, Tieren und letztlich den Menschen.

Der amerikanische Außenminister bricht auf der Sicherheitskonferenz in München tot zusammen. Herzprobleme, die sich aber bei der Obduktion als durch einen von Menschenhand geschaffenen Killervirus verursacht entpuppen. Zeitgleich werden an unterschiedlichen Orten auf der ganzen Erde äußerst robuste und krankheitsresistente Pflanzen und Tiere entdeckt. Das ruft natürlich die Regierung und sämtliche amerikanischen Geheimdienste und sonstige Spezialeinheiten auf den Plan. Jessica Roberts, von der Präsidentin der Vereinigten Staaten zur Sonderermittlerin in diesem Fall berufen, kommt mit Hilfe von Wissenschaftlern und einem Heer von Einsatzkräften dem Geheimnis um Killervirus und Genmanipulationen auf die Spur. Zur selben Zeit muss sich ein amerikanisches Ehepaar für die künstliche Befruchtung entscheiden zwischen einem ganz normalen Kind oder einem “modernen” Kind mit besonderen Eigenschaften nach Wunsch: Aussehen, Größe, Intelligenz sind nur einige der Wahlmöglichkeiten. Und dann wird auch noch die zehnjährige Jill vermisst, die wie 15 aussieht, bereits studiert und durch ihr außergewöhnliches Wissen, ohne dass es jemand gemerkt hätte, ein Vermögen an der Börse gemacht hat, das sie für die Weiterentwicklung “moderner Kinder” einsetzt. Das alles läuft zusammen in New Garden, einer Forschungseinrichtung, in der eben diese “modernen Kinder” bereits Wirklichkeit sind. Kinder, die sich schneller entwickeln, weit intelligenter sind und über ungeheure Kräfte verfügen, wie der zehnjährige Eugene, der unter anderem über eine enorme Sprungkraft verfügt.

Elsberg erzählt auch dieses Mal seine Geschichte dramatisch und ungemein spannend, spart auch ethischen Fragen nicht aus und legt ein Buch vor, das man nicht mehr aus den Händen legen mag. Das ändert sich aber ab der Hälfte der Geschichte. Dann nämlich, als eine Handvoll Kleinkinder ein Heer von bis an die Zähne bewaffnete Soldaten, die Wissenschaftler und Sonderermittler mitsamt Jessica Roberts und der Präsidentin in New Garden überwältigt, die Präsidentin als Geisel nimmt und sich mit einem Hubschrauber, den eben jener Eugene fliegt, aus dem Staub macht. Man ahnt es schon, die Absichten von Wunderkind Eugene sind eher negativer Natur. Von da an läuft die Geschichte bis zu ihrem spektakulären Ende am Flughafen Sao Paulo einige Mal gehörig aus dem Ruder, gleitet ab in unglaubwürdige Science-Fiction eingebettet in unsere reale Gegenwart. Schade, hätte der Autor die unterschiedlichen Erzählstränge zu einem soliden Ende geführt, wäre das Buch vielleicht nur halb so dick, dafür aber spannend von der ersten bis zur letzten Seite geworden. /sis

Bibliographische Angaben
Marc Elsberg, Helix. Sie werden uns ersetzen
Blanvalet Verlag, 2018, 672 Seiten
ISBN 978-3734105579

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