Stellbrinks Abschied ohne Tränen

Kritik zum Tatort Saarbrücken „Der Pakt“
ARD/SR Tatort “Der Pakt”: Kriminalhauptkommissarin Lisa Marx (Elisabeth Brück) mit Kriminalhauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) bei Dr. Bindra (Franziska Schubert) (Foto: SR/Manuela Meyer)

Wirklich schlecht war er nicht, der letzte Tatort aus Saarbrücken mit Devid Striesow als Kommissar Jens Stellbrink. Auch wenn es gewiss nicht Striesows beste schauspielerische Leistung war, was aber vermutlich am Drehbuch lag. Was wollten die Buchautoren Michael Vershinin und Zoltan Spirandelli denn nun eigentlich mit ihrer Geschichte „Der Pakt“ erzählen? Dass es Flüchtlingen, die mit falschen Vorstellungen kommen, insbesondere auch den sogenannten „Illegalen“, noch immer schlecht bei uns geht? Dass sie für eine Duldung gerne auch andere Illegale an die Behörden verraten? Dass sie in großer Zahl auf die Hilfe irgendeines Mediziners angewiesen sind, dessen Qualifikation sie nicht überprüfen können? Dass die Menschen aus aller Herren Länder ihre jeweils ganz eigenen Probleme mitbringen und nicht etwa an der Grenze ablegen? Dass Frust und Enttäuschung rasch in Aggression und schließlich hemmungslose Gewalt umschlagen können? Vielleicht sollte die Geschichte von allem etwas widerspiegeln und das machte sie schließlich zu überladen. Und weil das den Autoren immer noch alles nicht reichte, ließen sie ganz nebenbei auch noch linke und rechte Ideologien aufeinanderprallen. Schwesterschülerin Anika (Lucie Hollmann), die sich aufopfernd um kranke Flüchtlinge und insbesondere um Kamal (El Mehdi Meskar) kümmerte, war mit der Ausbilderin wegen rassistischer Äußerungen aneinandergeraten. Der tragische Tod des kleinen Jungen und der spätere Selbstmord seines Bruders Kamal, der einen Pakt mit der Ausländerbehörde geschlossen hatte, um in Deutschland bleiben zu können, hatte ebenfalls nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun. Es ging vielmehr um die Ärztin Dr. Bindra (Franziska Schubert), die gar keine war. Die von ihr geschasste Schwesternschülerin Vanessa kommt hinter ihr Geheimnis und droht sie auffliegen zu lassen. Die Möchte-Gern-Ärztin bringt sie um. Eine Geschichte, die wir so oder ähnlich schon hundert Mal gesehen haben. Von den streckenweise sehr gezwungen wirkenden Verhören auf die falsche Spur gebracht, lösten die Ermittler selbst den Racheakt an Kamal und seinem kleinen Bruder und damit den Tod der beiden aus. Neben Stellbring ermittelt in dieser Folge auch wieder Lisa Marx (Elisabeth Brück), Mia Emmerich (Sandra Maren Schneider) und Horst Jordan (Hartmut Volle), die alle hinter ihren Möglichkeiten zurückblieben, weil die Verhöre statt ihrer Arbeit im Mittelpunkt standen.

Alles in allem drückten die Autoren mit dem Tatort „Der Pakt“ gehörig auf die Tränendrüse, erzeugten damit aber nicht die wohl beabsichtigte Betroffenheit. Auch beim scheidenden Kommissar Jens Stellbrink nicht, der zwar den Selbstmord Kamals wortwörtlich beweinte, ansonsten aber distanziert bis gleichgültig blieb. So wird man den bisher zu recht sehr beliebten Kommissar im Saarland und auch sonst in der Republik doch eher nicht vermissen. /sis

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