Spannender Thriller statt klassischer Krimi

Kritik zum Tatort München „Unklare Lage“
ARD/BR Tatort “Unklare Lage”. Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) warten angespannt den SEK-Einsatz ab. (Foto: BR/Hagen Keller)

Die Stadt abgeriegelt, der Verkehr steht still, Blaulicht und schwer bewaffnete Sondereinsatzkommandos beherrschen das Bild. So zeigte sich München im Jahre 2016. Diese Situation stellte der neue Tatort aus München „Unklare Lage“ aus der Feder von Drehbuchautor Holger Joos unter der Regie von Pia Strietmann nach. Unklar war indes nicht nur die Lage, sondern auch die Taktik der Polizei mit einer solchen Gefahrenlage umzugehen. „Wir ermitteln in alle Richtungen“ hieß in diesem Fall nur „Wir haben auch keine Ahnung“. Tatsächlich wussten weder Einsatzleitung noch die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) was vor sich ging. Gab es einen zweiten Täter oder nicht? Hatte er eine Nagelbombe in seinem Rucksack? Mühsam tasteten sich die Kommissare an die Wahrheit heran, hetzten mit den SEKs von einem Einsatzort zum nächsten, ohne wirklichen Durchblick. Durch Zufall waren Batic und Leitmayr am Ende dann aber doch zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und mit einem gezielten Schuss konnte Batic den zweiten Täter außer Gefecht setzen. Ob er aber einen Sprengsatz bei sich hatte, blieb genauso ungewiss, wie die Vorstellung der Zuschauer, was sie denn nun in einer solchen unklaren Lage in der Realität zu erwarten hätten. Für alle Betroffenen des Anschlags im Film jedenfalls dürfte das Geschehen selbst leichter zu verdauen gewesen sein, als das harsche und ziemlich planlos wirkende Vorgehen der SEKs.

Spannend war dieser Tatort, keine Frage, und damit wesentlich besser als so manch andere Folge dieser Reihe. Es handelte sich aber eher um einen Thriller als einen klassischen Krimi. Warum ausgerechnet die in Ehrfurcht ergrauten Hauptkommissare hinter den vermeintlichen Tätern herhetzen mussten, statt die wesentlich jüngeren Kollegen des Einsatzkommandos, war nur eine weitere der Fragen, die am Ende offenblieben. Unverkennbar aber ist Kalle Hammermanns (Ferdinand Hofer) unaufhaltsamer Aufstieg. Diesmal durfte er gar das Bindeglied zwischen Einsatzzentrale und den Ermittlern spielen und das tat er wieder mit beeindruckendem Engagement. Wenn die altehrwürdigen Kommissare eines nicht mehr fernen Tages abtreten, dürfte ein Nachfolger schon feststehen! /sis

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