Polizeiruf 110 – Spannender Politthriller

Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) und Peter Röhl (Joachim Król) vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz. (Foto: BR/X Filme Creative Pool Entertainment GmbH/Hagen Keller)

Sonntagabend, Viertel nach acht, Krimizeit. Nach dem eher experimentellen Tatort aus Luzern und einer Woche Unterbrechung stand diesmal ein Polizeiruf 110 auf dem Programm, aus München mit Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt). Die Vorankündigung im SWR las sich schon fast entschuldigend: „Schon wieder Nazis“ hieß es dort, allerdings verbunden mit dem Hinweis, dass sich anschauen trotzdem lohnen könnte. Und in der Tat, der Polizeiruf mit dem Titel „Das Gespenst der Freiheit“ war zwar wieder kein klassischer Krimi, wohl aber ein überaus spannender Politthriller. Im Kern ging es nämlich nicht um eine besonders gewalttätige Nazikameradschaft, sondern vielmehr um die Machenschaften des Verfassungsschutzes, der – hoffentlich nur in der Fantasie der Drehbuchautoren – junge Menschen aus der jeweils gefragten Szene mit erpresserischen Methoden als V-Mann gewinnt und sie dann, wenn sie keine weiteren Informationen mehr liefern können, ihrem tödlichen Schicksal als Verräter überlässt. Der Kampf Verfassungsschutz gegen Polizei ging selbstverständlich zu Null für den Verfassungsschutz aus. Wenn der ins Spiel kommt, haben anderen Behörden wohl auch in der Realität nicht mehr viel zu melden.

Kommissar von Meuffels hatte aber ohnehin nicht wirklich etwas zu ermitteln. Die Täter aus eben der brutalen Nazikameradschaft waren am Tatort verhaftet worden. Von Meuffels brauchte nur darauf zu warten, dass der Schwächste aus der Gruppe, der Halbiraner Farim Kuban (Jasper Engelhardt), zugibt, dass die Vier das Opfer muslimischer Herkunft totgeprügelt haben. Während von Meuffels es mit der Aussicht auf ein Zeugenschutzprogramm probiert, setzt der Verfassungsschützer Peter Röhl, dargestellt von einem herausragenden Joachim Król, Farim unter Druck. Er soll als V-Mann Fotos über die Mitglieder und Informationen über die Pläne der Gruppe besorgen. Röhl geht sogar so weit, den aggressiven Schlägern eine Schusswaffe samt Munition zu besorgen, die Farim am Ende zum Verhängnis wird, seine „Kameraden“ richten ihn hin.

Dass es sich bei dieser Geschichte um reine Fiktion und nicht etwa die raue Wirklichkeit handelte, machten die Bilder deutlich: Ein äußerst zurückhaltender Hanns von Meuffels rauchend im Präsidium, im Café, auf der Straße und mit ihm unzählige weitere Menschen, die fortgesetzt genüsslich an ihrem Glimmstängel zogen – mitten in München, also in Bayern! Niemals!

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