Kommissar Selig ist zurück

Da ist er endlich, der dritte Kriminalroman mit Kommissar Paul Selig aus der Feder des bekannten deutschen Drehbuchautors Markus Stromiedel. Wie schon in den beiden Vorgängerbänden “Zwillingsspiel” und “Feuertaufe” bezieht Selig zwar auch in “Nachtfrost” wieder ordentlich Prügel, ist diesmal aber nur indirekt in die eigentliche Geschichte involviert. Er wird weder verdächtigt noch verfolgt, sondern findet endlich die Anerkennung, die ein Ermittler seiner Güte verdient und das ist richtig angenehm nicht nur für die Leser. Auch seine Kollegen, die hübsche Maria und der noch immer arbeitsscheue Wagner, freuen sich über die Bewunderung für ihren Chef, die diesmal sogar von ganz oben kommt.

Die Geschichte spielt im Cyberspionage-Milieu und wie die ersten beiden Bände wieder im Zentrum der Macht in Berlin. Ein IT-Unternehmer will im Auftrag einer Großmacht in das Computersystem der Bundesregierung eindringen. Paul Seligs Sohn Tobias und dessen Freunde wissen das Schlimmste zu verhindern. Eingewoben ist die durchaus dramatische Geschichte in die jüngste Vergangenheit der Bundesrepublik, es geht um die Stasi und was sie den Menschen in der ehemaligen DDR angetan hat, es geht um die Wut der Opfer, die bis in die Gegenwart reicht.

Immer wenn der Autor sich an seine „Drehbuchautoren“-Erfahrung hält, ist das Buch spannend und kurzweilig geschrieben. Allerdings versucht er sich an einigen Stellen als Poet, die dann doch zu langatmig geraten. Genauso wie die letzten 50 Seiten nicht wirklich mehr etwas zur Geschichte beitragen. Stromiedels Schwäche ist und bleibt das Ende, wie schon in „Die Kuppel“. Er meint noch so viele Erklärungen nachliefern zu müssen, die er aber getrost der Fantasie seiner Leser überlassen könnte.

Abgesehen davon ist Stromiedel mit „Nachtfrost“ aber wieder ein überaus unterhaltsamer Krimi gelungen, den man nicht aus der Hand legen mag – das größte Kompliment, das man einem Buch und damit seinem Autor machen kann. /sis

Bibliographische Angaben
Markus Stromiedel: Nachtfrost
Taschenbuch, Knaur TB, 2018, 416 Seiten
ISBN: 978-3-426-52067-3

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