Noch viel Luft nach oben

Kritik zum Tatort aus Zürich „Züri brännt“
ARD Degeto Tatort “Züri brännt”: Sind sich nicht sicher, ob es sich um einen zweiten Mord handelt v. l. n. re.: Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher), Kommissarin Tessa Ott (Carol Schuler) und Staatsanwältin Anita Wegenast (Rachel Braunschweig) (Foto: ARD Degeto/SRF/Sava Hlavacek)

Neues Team, neues Tatortglück für die Schweiz? Das hatten die Tatort-Fans zumindest gehofft. Der erste Fall der beiden neuen Ermittlerinnen Tessa Ott (Carola Schuler) und Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) war dann aber doch etwas wirr, um wirklich zu begeistern. Die Story führte zurück in die Züricher Geschichte der 1980er Jahre und konstruierte die nicht immer nachvollziehbaren Nachwehen einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen einer Gruppe damals Jugendlicher und der Polizei. Und wie schon so oft gelesen und gesehen, kommt nach 40 Jahren ein inzwischen totkranker Beteiligter zurück, um sein Gewissen zu erleichtern, den Mord an einem jungen Mädchen zu gestehen und die weiteren Beteiligten ebenfalls zur Offenbarung zu zwingen. Das wiederum führt zu seiner Ermordung, klar, was auch sonst.

Bei „Züri brännt“ standen aber gar nicht die beiden Morde im Mittelpunkt, sondern der obligate Zickenkrieg der Ermittlerinnen. Die eine, weil aus einer bekannten Familie stammend, entsprechend von allen Seiten die Karriereleiter hinaufgeschubst, die andere schon viel länger im Job, obendrein zurückhaltend, beinahe schon devot und nicht unbedingt angetan vom jungen Protegé. Einmal mehr bedienten die Drehbuchautoren Lorenz Langenegger und Stefan Brunner sowie Regisseurin Viviane Andereggen das Klischee von Frauen, die einfach nicht miteinander arbeiten können und das in wirklich übertriebener Art und Weise. Zudem fiel die eine durch ziemliche Respektlosigkeit sowohl ihrer älteren Kollegin als auch verhörten Zeugen gegenüber auf. Grandjean bestand auf das höfliche „Sie“, was Ott aber nicht im mindesten störte. Sie duzte ihre Kollegin munter weiter, egal wie oft ihr ein “Sie” entgegnet wurde. Die streckenweise erschreckend langweiligen Ermittlungsversuche jedenfalls machte dieser Umstand nicht wirklich interessanter.

Wie daraus eine gedeihliche Zusammenarbeit werden soll, wissen wohl nur die Autoren. Aber bekanntlich ist aller Anfang schwer und so sollte man dem neuen Tatort-Team aus Zürich auch erst einmal eine Chance auf Entwicklung geben. Es kann ja immer noch besser werden! /sis

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