Eine herbe Enttäuschung

ARD/BR Tatort “Die ewige Welle”: Die Kriminalhauptkommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) sind bei ihren Ermittlungen an der Eisbach-Welle nicht immer einer Meinung. (Foto:  BR/Hendrik Heiden/Wiedemann & Berg)
Kritik zum Tatort München „Die ewige Welle“

Es ist ein Fehler anzunehmen, irgendeine Geschichte könnte unter der „Marke“ Tatort zu einem Publikumsliebling avancieren. Auch dann nicht, wenn man das bei Tatort-Fans sehr beliebte Münchener Kommissars-Duo Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) bemüht. „Die ewige Welle“ jedenfalls mag als Experimentalfilm oder auch Milieustudie vielleicht ein paar interessierte Zuschauer gefunden haben, bei den Tatort-Freunden fiel die Folge gnadenlos durch. Und das zu Recht, hatte der Streifen aus der Feder von Alex Buresch und Matthias Pacht doch mit einem Krimi so gar nichts zu tun. Außer, dass die Kommissare ein paar in ihrer ganz eigenen Drogenwelt gefangenen, skurrilen Figuren mehr oder minder interessiert hinterhergejagt sind, spielten Batic und Leitmayr in diesem mühsam konstruierten Fall überhaupt keine Rolle und selbst Kalli (Ferdinand Hofer) tauchte nur das ein oder andere Mal bei den Hauptkommissaren auf und übermittelte Informationen, die auch nichts zur Entwicklung der Geschichte beitrugen. Ansonsten war Batic mit Rückenschmerzen und Chillen und Leitmayr mit Erinnerungen beschäftigt. Franz Leitmayrs Vergangenheit lieferte denn auch den einzigen Bezug zu einem der Beteiligten und musste als Motiv dafür herhalten, dass Leitmayr seinen nach einer Messerstecherei schwer verletzten Freund Mikesch Seifert (Andreas Lust) weiter in aller Ruhe seinen Drogengeschäften nachgehen ließ. Dann tauchte auch noch eine gemeinsame Freundin aus der Vergangenheit auf, die möglicherweise, könnte sein, vielleicht von Leitmayr schwanger war, in einer anderen Zeit und in einer anderen Welt. In loser Folge eingespielte Szenen aus dieser anderen Welt mit dem jungen Leitmayr hatten ebenfalls keinen Bezug zur aktuellen Geschichte um Mikeschs Drogengeschäfte, sondern erzählten einfach nur von einem Sommer an Portugals Küste in jugendlicher Unbekümmertheit. Und das alles hatte wiederum nichts mit den Surfern an der Eisbach-Welle zu tun. Letztlich wollte Leitmayrs Freund Mikesch durch den Verkauf von Schmerzpflastern einfach nur ein besseres Leben für seine Tochter Maya (Luise Aschenbrenner). Die Messerattacke auf ihn, die beiden Drogentoten, die Bedrohung durch andere Drogendealer, die bei ihren Geschäften nicht gestört werden wollten, all das war nur Beiwerk, um dem Stoff doch noch einen Hauch von Krimi zu geben, vielleicht auch nur, um ihn damit überhaupt erst als Tatort realisieren zu können. Und dennoch war die Geschichte als Tatort ein Totalausfall, als Tatort aus München gar eine herbe Enttäuschung. Wieder einmal! /sis

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