Raus aus der Wohlfühlblase!

Rezension Daniel Stelter „Das Märchen vom reichen Land – Wie uns die Politik ruiniert!“

Es ist für einen Laien nicht immer ganz leicht, Daniel Stelters wirtschafts- und finanzwissenschaftliche Ausführungen nachzuvollziehen. Letztlich aber versteht auch der Nichtfachmann sehr gut, worum es in dem Buch geht und was der Autor vermitteln will, dass uns nämlich die Politik der vergangenen Jahre langfristig noch teuer zu stehen kommen dürfte. Zu viele Verpflichtungen wurden eingegangen, die zwar erst in der Zukunft zum Tragen kommen, dann aber auf eine vergreiste Gesellschaft treffen, deren wenige Leistungsträger eben diese Lasten unter den gegenwärtigen Umständen nicht werden stemmen können. Daniel Stelter beschreibt recht anschaulich, wie düster unsere Zukunft aussehen könnte: Eine Gesellschaft von Rentnern, die über kein nennenswertes Vermögen verfügt, eine schlechte Infrastruktur, weil nicht in Straßen, Brücken und Schulen investiert wird, Unternehmen, denen qualifizierte Mitarbeiter fehlen, weil eben auch die Bildung kaputt gespart und statt qualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland anzuwerben auf die massenhafte Zuwanderung unqualifizierter Migranten gesetzt wird, die zum größten Teil ihr Leben lang auf Transferleistungen angewiesen sein werden. Noch können wir gegensteuern, meint der Autor. Doch dazu bräuchte es einen kompletten Neuanfang – und zwar ohne unsere heutigen Politiker, die eher auf die nächsten Wahlen und ihre eigenen Posten schielen, als sich um die Zukunft des Landes zu scheren.

Unseren Politikern stellt Daniel Stelter denn auch ein ganz schlechtes Zeugnis aus und deckt in seinem 256 Seiten starken Buch eine Reihe von Problemfeldern auf, die durch falsche Entscheidungen hervorgerufen wurden. Das fängt bei der nicht vorhandenen Unterscheidung zwischen Einkommen und Vermögen an. Zwar verfügten die Deutschen über ein hohes Einkommen, wovon der Staat sich aber zu viel nehme. Nur wenig bleibe zum Sparen übrig und dann würden Geldanlagen präferiert, die wenig Rendite bringen. Auch hier habe die Politik die Finger im Spiel, weil sie eben solche Anlageformen fördere, die nicht zuletzt der bequemen Geldbeschaffung für den Staat dienten. Obendrein bevorzuge der Deutsche sichere Geldanlagen wie Sparbuch und Lebensversicherung. Keine gute Idee in Zeiten niedriger Zinsen. Und so verwundert es nicht, dass etwa Griechen und Italiener über mehr privates Vermögen verfügen als der Durchschnittsdeutsche.

Die niedrigen Zinsen seien auch der Grund für die von unseren Politikern so leidenschaftlich geforderte „schwarze Null“, die nicht etwa der Finanzminister durch eisernes Sparen zustande gebracht hätte. Und noch eine Aussage überrascht: Ohne Einführung der Währungsunion hätte es die große Schuldenparty im Süden Europas gar nicht gegeben. Überhaupt sei die weltweite Gesamtverschuldung seit 2008 drastisch gestiegen. Dass es da keine gute Idee ist, in dieser Welt als Gläubiger aufzutreten, versteht sich von selbst. Aber genau das tue Deutschland mit seinen hohen Exportüberschüssen. Wir liefern Waren nicht etwa gegen Bares, sondern als Kredite in Länder, die ohnehin hoch verschuldet sind. Irgendwann werde eine Reduzierung der Schulden unumgänglich sein und dann seien es die Deutschen, die verlieren. So wie auch die Deutschen die Verlierer der Eurokrise sein werden. Mit den Rettungsschirmen sei nicht etwa Griechenland gerettet worden, sondern französische Banken, die als private Kreditgeber sonst viel Geld in Griechenland verloren hätten. In diesem Licht seien auch die Forderungen des französischen Präsidenten mit Blick auf die EU mit Vorsicht zu betrachten.

Eigentlich erfreulich klingen Stelters Ausführungen mit Blick auf die Digitalisierung. Sicher fallen durch die fortschreitende Automatisierung viele Arbeitsstellen weg. Sie würden aber auch nicht mehr benötigt, wenn durch den demografischen Wandel eben auch weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stünden! Deshalb müsse investiert werden in Bildung, Forschung und Entwicklung. Doch Deutschland konzentriere sich stur darauf, Bestehendes zu erhalten und zu optimieren.

Mein Fazit: Auch wer wenig oder nichts von Wirtschafts- und Finanzpolitik versteht, bekommt mit diesem Buch ein Gespür für die komplexen Zusammenhänge und ihre Auswirkungen auf unser aller Zukunft. Der Autor begnügt sich aber nicht mit dem Aufzählen und Analysieren des Ist-Zustandes und Offenlegen der Hintergründe, er präsentiert auch ganz konkrete Lösungsansätze, die er am besten in einem Bündnis für Zukunft und Nachhaltigkeit aufgehoben sieht, mit dem Ziel, die Leistungsfähigkeit Deutschlands zu steigern, die Lasten gerechter zu verteilen und Altlasten zu bereinigen. /sis

Bibliographische Angaben:
Daniel Stelter: „Das Märchen vom reichen Land – Wie uns die Politik ruiniert!“
Finanzbuch Verlag, 2018, 256 Seiten, ISBN 978-3-95972-153-0

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