Am Ende bleibt ein großes Nichts

Kritik zum Tatort München „Lass den Mond am Himmel stehn“
ARD/BR Tatort “Lass den Mond am Himmel stehn”: Die Kriminalhauptkommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) betrachten den Fundort von Emils Fahrrad im Wald, in der Nähe eines Parkplatzes. ( Foto: BR/Bavaria Fiction GmbH/Hendrik Heiden)

Das ist schon ein sehr bedrückender Fall, der im neuen Tatort aus München mit dem Titel “Lass den Mond am Himmel stehn” im Mittelpunkt steht. Ein Teenager erschlägt seinen angeblich besten Freund Emil Kovacic (Ben Lehmann), einfach nur, weil er ihn in einem Computerspiel zu besiegen droht, die Eltern entsorgen die Leiche in der Isar, das Fahrrad im Wald. Und sie schweigen, beharrlich und völlig emotionslos. Das können sie auch, denn weder sie noch ihr Sohn können für das Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Basti Schellenberger (Tim Offerhaus) ist erst dreizehn und damit strafunmündig, die Vertuschung der Straftat für einen Angehörigen ist nach § 258 Abs. 6 Strafgesetztbuch ebenfalls straffrei. Das weiß Bastis Mutter als erfolgreiche Rechtsanwältin Antonia Schellenberg (Victoria Mayer) sehr genau und so lässt sie die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) ein ums andere Mal auflaufen. Auch Vater Martin Schellenberg (Hans Löw) schweigt, obwohl er sich damit scheinbar etwas schwerer tut. Einzig für Tochter Hannah Schellenberger (Lea Zoe Voss) ist die Kälte und Abgebrühtheit ihrer Familie unerträglich. Sie packt ihre Sachen und sucht das Weite.

Aber nicht so sehr die Ermittlungen stehen im Vordergrund dieser ungewöhnlichen Geschichte von Stefan Hafner und Thomas Weingartner, sondern das unendliche Leid von Emils Mutter Judith Kovacic (Laura Tonke) und ihrem Mann David, die nicht nur ihren Sohn verloren haben, sondern auch ertragen müssen, dass Emils Tod ungesühnt bleibt. Lange Zeit jagen Leitmayr, Batic und Assistent Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) falschen Spuren nach, bis ihnen die angeblich letzte Handynachricht des Opfers den Weg in Bastis Kinderzimmer weist. Selbst als die Spurensicherung das Blutbad der Tatnacht wieder sichtbar macht, sind Basti und seine Eltern zu keiner Regung fähig, scheinen auch überhaupt keine Schuldgefühle, geschweige denn Mitleid mit dem Opfer zu entwickeln.

Die Geschichte spielt sich in einer durchgängig düsteren Atmosphäre ab, die das Grauen fühlbar werden lässt. „Lass den Mond am Himmel stehn“ ist ein gelungenes Psychodrama, das einen jugendlichen Täter schützt, dafür aber die Eltern des Opfers in purer Verzweiflung und die Kommissare am Ende mit leeren Händen zurücklässt. /sis

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