Wo Geld ist, sind Recht und Gesetz ohne Bedeutung

Kritik zum Tatort aus Frankfurt “Der Turm”
ARD Tatort “Der Turm”: Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich). (Foto: HR/Degeto/Bettina Müller)

Und jetzt? Das hat sich gewiss so mancher Zuschauer am Ende des neuesten Tatorts aus Frankfurt mit dem Titel „Der Turm“ gefragt. Eine tote Edel-Prostituierte, ein erschossener Motorradfahrer, aber kein Täter. Nicht einmal greifbare Ermittlungsergebnisse gab es. Dafür wurden die üblichen Klischees bedient, dass nämlich Staatsanwälte nicht unbedingt im Interesse der Aufklärung von Verbrechen handeln, Kommissare ungestraft Vorschriften außer Acht lassen dürfen, und dass vor dem Gesetz alle gleich, manche aber eben doch sehr viel gleicher sind. Geld regiert die Welt, und wo es um Geld geht, ist für Recht und Gesetz keinen Platz. Das war es, was die Macher dieses Tatorts – Buch und Regie wieder einmal in Personalunion, diesmal von Lars Henning – den Zuschauern vermittelten. Ansonsten war die Geschichte so verschwommen wie die Bilder von Kommissarin Anna Janneke (Margarita Broich), da halfen auch die Aufklärungsversuche von Kommissar Paul Brix (Wolfram Koch) nichts, der sich ohnehin sehr schwer tat in der Welt der Banker und Geldjongleure. Man nahm im „Turm“ die Polizei schlicht nicht ernst und entzog sich mit Hilfe der aalglatten Anwältin und Geschäftsführerin Dr. Rothmann (Katja Flint) recht plump allen Ermittlungsversuchen. Und selbstverständlich gelang es den Superreichen ihre Interessen zu wahren, indem sie mögliche Informanten der Polizei mit entsprechend Barem mundtot machten, Leichen einfach verschwinden ließen und den Kommissar, wenn er ihnen zu nahekam, unsanft auf die Straße beförderten. Das war es dann auch schon. Mehr hatte der Film nicht zu bieten, die Geschichte plätscherte so vor sich hin, keine überraschenden Wendungen, keine Spannung. Dafür aber viel Unverständliches: Kommissare im Alleingang, blutrünstige Träume ohne Sinn, abgegebene Pistolen, die nicht wieder abgeholt werden und niemandem fällt das auf, ein Pförtner, der bei einem totalen Stromausfall einfach auf seinem Stuhl sitzen bleibt und zwei IT-Nerds, die klischeehafter nicht hätten dargestellt werden können. Das war also wieder nur einer von vielen Tatort-Erstausstrahlungen im Jahr 2018, die man nicht noch einmal sehen möchte. /sis

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