Von Meuffels im Liebeskummerwahn

Kritik zu Polizeiruf 110: “Tatorte”

Polizeiruf 110 “Tatorte”: Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) (Foto: BR/Christian Schulz)

 

Zum letzten Mal war Matthias Brandt in der Rolle des Kriminalhauptkommissars Hanns von Meuffels im Polizeiruf 110 mit dem Titel „Tatorte“ zu sehen. Aber zum ersten Mal in seinen insgesamt 15 Fällen stand sich der sonst so engagierte Ermittler permanent selbst im Weg. Er war erfüllt von Liebeskummer und hatte nur seine verlorene Liebschaft Constanze Hermann (Barbara Auer) im Sinn, die mitsamt seinem Dampfbügeleisen aus der gemeinsamen Wohnung an die Polizeischule nach Nürnberg entschwunden war. Der Fall wurde zur absoluten Nebensache – in jeder Hinsicht. Schon früh hatte von Meuffels Assistentin Nadja (Maryam Zaree) einen Verdächtigen ausgemacht: Jochen Fahrenholz (Stephan Zinner) soll seine Ex-Frau vor den Augen seiner Tochter Jasmina (Aurelia  Schikarski) erschossen haben. Das zumindest behauptete die Kleine steif und fest. Punkt. Fertig. Fall gelöst! Ab nach Nürnberg und die Geliebte zurückgeholt. Als das nicht klappte, kaufte sich von Meuffels ein neues Dampfbügeleisen, während die Assistentin auf ein altes Gutachten der getöteten Frau stieß, die sich als Psychiaterin mit massiven psychischen Problemen entpuppte, die Männer und ganz besonders ihren ehemaligen, über alles hasste. Und so bescheinigte sie einem kleinkriminellen Vater absolute Erziehungsunfähigkeit. Sein Kind kam daraufhin zu Pflegeeltern und dort zu Tode. Das war der Grund für seine Rache und den Mord an Jasminas Mutter. Wieso das Mädchen den eigenen Vater beschuldigte, wieso der Mörder wusste, dass die Mutter an diesem Morgen auf dem Gelände eines Autokinos mit ihrem Exmann verabredetet war, blieb im Dunkeln, genauso wie vieles andere auch an diesem Fall. Die Frage „War er es wirklich?“ stand von Anfang bis Ende im Raum – fast den gesamten Film über mit Blick auf Jasminas Vater. Erst als die Assistentin kurz vor Schluss besagtes Gutachten und damit einen neuen Verdächtigen quasi aus dem Hut zauberte, rückte der in den Fokus der dann recht kurzen Ermittlungen: Assistentin Nadja klopfte an seine Tür – während von Meuffels wieder seinem Liebeskummer frönte. Der Verdächtige öffnete und schoss unvermittelt. Nadja bracht tödlich getroffen zusammen. Wieder: Punkt. Fertig. Fall gelöst? Fast: Von Meuffels nämlich, der zugesehen hatte, wie seine junge unerfahrene Kollegin in die Falle tappte, hat endlich genug. Er quittiert den Dienst. Das wiederum bringt ihm seine geliebte Constanze zurück oder auch nicht. Denn auch das bleibt unklar. Immerhin findet das Dampfbügeleisen seinen Weg zurück – dorthin, wo es hingehört.

Dieser Fall war gewiss kein Ruhmesblatt für den scheidenden Kommissar Hanns von Meuffels und auch der Zuschauer tat sich schwer mit der wirren Geschichte, die aus der Feder des sehr erfahrenen Drehbuchautors Christian Petzold stammt, der auch Regie führte. Nur ist ein Verdächtiger, der erst kurz vor Schluss aus dem Nichts auftaucht, eigentlich ein kapitaler Anfängerfehler und absolut verpönt in jedem Krimi, egal ob Film oder Buch! Der Zuschauer fühlt sich verschaukelt! Aber hier ging es nicht um einem Krimi, sondern in erster Linie um von Meuffels Liebeskummer – von der ersten bis letzten Minute. Der Kriminalfall war nur Bei- und Füllwerk als Begründung für den Ausstieg aus dem Polizeidienst. In solch desolater Verfassung jedenfalls wird man den Kommissar von Meuffels gewiss nicht vermissen. Sehr wohl vermissen wird man aber den grandiosen Schauspieler Matthias Brandt beim Polizeiruf 110. War er doch einer der besten Ermittler in der Serie und beim Publikum längst so beliebt und hoch geschätzt wie einst sein berühmter Vater, unser ehemaliger Bundeskanzler Willy Brandt. /sis

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