Spannung trifft Humor

Kritik zum Tatort Münster „Spieglein, Spieglein“
ARD/WDR Tatort “Spieglein, Spieglein”: Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers, l), Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl, vorn), Silke Haller (ChrisTine Urspruch) und Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann, r) sind entsetzt, dass sie Schuld am Tod ihrer Doppergänger sein sollen. (Foto: WDR/Thomas Kost)

Kaum zu glauben aber wahr, der neue Tatort aus Münster „Spieglein, Spieglein“ wusste wieder zu überzeugen, auch wenn die Kritiken im Vorfeld eher gegenteiliges voraussagten. Natürlich kann es nur Fantasie sein, wenn in der nordrhein-westfälischen Domstadt Münster unter etwas mehr als 300.000 Einwohnern gleich fünf Doppelgänger ausgemacht werden. Dennoch handelte es sich um eine kluge Geschichte mit viel Tempo gepaart mit Spannung und dem ganz besonderen Humor, ohne dabei die Ernsthaftigkeit einer Mordermittlung zu vernachlässigen. Das können eben nur Thiel (Axel Prahl) und Professor Boerne (Jan Josef Liefers). Die Charaktere blieben sich selbst treu und verloren auch angesichts der skurrilen Geschehnisse nicht den Respekt vor ihrer Arbeit, was leider nicht alle Tatort-Ermittlerteams von sich behaupten können. Auch wenn es ein paar Schwächen gab. So war Thiels Assistentin Nadeshda Krusenstern zwar beurlaubt – weil Schauspielerin Friederike Kempter ihr erstes Kind bekommen hat und sich während der Dreharbeiten noch in Mutterschutz befand -, trotzdem war sie an den Ermittlungen rund um den 14. Fall „Wolfsstunde“ mit dem Sexualmörder Sascha Kröger (Arnd Klawitter) beteiligt, auf den diese Folge aufbaute. Mithin hätte logischerweise auch sie Ziel des Racheaktes sein müssen. Für alle Münsteraner Protagonisten hat Krögers Verlobte Birgit Brückner (Kathrin Angerer) Doppelgänger gesucht und gefunden, neben Thiel und Boerne eben auch für Staatsanwältin Klemm (Mechthild Großmann), Boernes Assistentin Silke „Alberich“ Haller (Christine Urspruch) und sogar Thiels Vater Herbert (Claus D. Clausnitzer), nur für Nadeshda nicht! Und als Thiel seinen Vater ermordet glaubte – in dieser Szene ganz ausgezeichnet gespielt von Axel Prahl -, hätte er eigentlich schon von fern erkennen müssen, dass es sich am Tatort nicht um das Taxi seines Vaters handelte.

Kleine Schönheitsfehler, die den Gesamteindruck indes nicht trüben können. Die Geschichte von Drehbuchautor Benjamin Hessler war schlüssig und die Mörderin handelte mit durchaus nachvollziehbaren Motiven, Grundvoraussetzung für einen guten Krimi. Dazu kommen mit dem selbstverliebten Boerne und dem eher zurückhaltend eitlen Thiel zwei großartige Charaktere, die in dieser Konstellation ganz einfach nicht zu übertreffen sind. Der Tatort aus Münster war deshalb wieder ein wahres Vergnügen für alle Krimifreunde, das gerne wiederholt werden darf. /sis

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