Keine Rolle rückwärts bei der Emanzipation

Nicht verhandelbar von Julia Kloeckner

„Nicht verhandelbar“ sind für die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und CDU-Parteivorsitzende in Rheinland-Pfalz Julia Klöckner die Frauenrechte in Deutschland. Welche Rechte sie durch die Zuwanderung hauptsächlich junger Männer aus patriarchalischen Ländern nachhaltig in Gefahr sieht, arbeitet sie in ihrem Buch „Nicht verhandelbar. Integration nur mit Frauenrechten“ detailliert und gut nachvollziehbar heraus.

Tatsächlich scheint die Stunde der Kritiker gekommen, wie sonst kann es sein, dass eine Frontfrau deutscher Politik jetzt offen Missstände in der Integration ansprechen kann, wofür der einfache Bürger bislang umgehend mit der rechten Keule mundtot geprügelt wurde? Ohne die sonst so beschämenden Versuche, Dinge schön oder gar weg reden zu wollen, erkennt hier eine prominente deutsche Politikerin die Rolle rückwärts, die das ständige Nachgeben gegenüber den Forderungen des Islam für die Frauenrechte in Deutschland bedeutet. Jeder Kompromiss sei ein Einknicken, das nicht etwa mit Dialogbereitschaft, sondern mit dem nächsten Versuch, die Grenzen noch weiter hinauszuschieben, beantwortet werde. Aus Rücksicht auf den Islam falle man modernen Muslimas damit in den Rücken, die einfach nur die Rechte in Anspruch nehmen wollten, die deutschen Frauen ganz selbstverständlich zustünden. Sonst werde immer schnell „Sexismus“ gerufen, nur nicht bei der Unterdrückung ausländischer Frauen in Deutschland. Da werde Rücksicht genommen auf die religiösen Ansichten ihrer Männer, für die Julia Klöckner aber an anderer Stelle ihres Buches durchaus Verständnis zeigt: Zugewanderte Männer hätten alles verloren und sollten nun in Deutschland angekommen, auch noch die Gewalt über ihre Frauen verlieren.   

Julia Klöckner verlangt eine fundierte Analyse der Zuwanderung gerade auch mit Blick auf die Frauenrechte. Ein Staat, der das frauenfeindliche Verhalten junger Männer einfach hinnehme, sei nicht tolerant, sondern ignorant. Grabschergruppen, Verschleierung und Kinderehen seien ein absolutes “No-Go” genauso wie das Fernhalten von Mädchen von Schwimmunterricht und Klassenfahrten. Unsere Gesetze müssten eingehalten werden, ohne Wenn und Aber und religiöse Gesetze müssten hinter weltliche Gesetze zurücktreten. Die Neuankömmlinge müssten sich anpassen, nicht die Einheimischen, so ihr Fazit.

Mein Resümee: Eine durchaus lesenswerte Zusammenfassung der derzeitigen Situation in Deutschland mit einigen vielversprechenden Ansätzen, aber auch vielen Vorschlägen, die wir schon viel zu oft gehört haben, ohne dass sie auch nur ansatzweise umgesetzt worden wären: Verpflichtende Sprachkurse mit Erfolgsmessungen und Sanktionen als Folge von Nachlässigkeiten oder Abbruch, schnelle Strafen für Vergehen, Auswirkungen auf den Asylstatus bei Fehlverhalten. Julia Klöckner sieht das Heil der Integration in den Frauen selbst. Wenn es gelänge, sie etwa in Jobs zu vermitteln, wäre es leichter, sie dazu zu bringen, ihre Rechte, von denen sie ja nicht einmal wissen, dass es sie gibt, auch einzufordern. Doch wie will sie an diese Frauen herankommen, die bekanntlich ohne Begleitung männlicher Verwandter die Wohnung nicht verlassen dürfen? Wie sie informieren und überzeugen, wenn schon ganz junge Mädchen rigoros abgeschottet werden? Solange es nicht gelingt, diese Mädchen und Frauen am deutschen Alltag in all seinen Facetten teilhaben zu lassen und sie weiter den frauenfeindlichen Ansichten ihrer Männer und religiösen Führer ausgesetzt sind, wird sich definitiv nichts ändern. Da helfen dann auch die neuerdings modisch-stylischen Kopftücher nicht weiter! /sis

Bibliografischen Angaben:

Julia Klöckner
Nicht verhandelbar. Integration nur mit Frauenrechten.
Gütersloher Verlagshaus, 2018, gebundene Ausgabe, 176 Seiten, 18 Euro
ISBN-13 078-3579087122
Das Honorar spendet Julia Klöckner einer Frauenorganisation.

 

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