Einfach unerträglich das Ganze!

Kritik zum Polizeiruf 110 „Die Lüge, die wir Zukunft nennen“
Polizeiruf 110 “Die Lüge, die wir Zukunft nennen”: Ob es ein Kindergeburtstag oder doch eine wilde Faschingsparty war, mit der der Polizeiruf aus München in den zweiten Fall startete, war für den Zuschauer nicht auszumachen. Der Trupp im Morgengrauen vorm Zabriskie (von links): Chouaki (Berivan Kaya), Teddy (Niklas Kearney), Elisabeth (Verena Altenberger) und Maurer (Andreas Bittl). (Foto: BR/maze pictures GmbH/Hendrik Heiden)

Langsam fragt man sich schon, ob die ARD mit den neueren Tatort-Folgen und insbesondere auch mit dem Polizeiruf 110 die Schmerzgrenze der Zuschauer ausloten möchte. Das jedenfalls ist die einzige Erklärung, warum man das Publikum mit experimentellen Filmen der Marke „besonders wertvoll“ nur eben nicht für die Zuschauer ein ums andere Mal verprellt. Der zweite Fall der neuen Polizeioberkommissarin Elisabeth Eyckhoff (Verena Altenberger) des Polizeirufs München jedenfalls war einfach nur zum Abgewöhnen. Bruchstückhafte, in keiner Phase nachvollziehbare Handlung auf unterschiedlichen, aber nicht klar abgegrenzten Zeitebenen, die von Musik und Nebengeräuschen größtenteils überlagerten Dialoge, die ein Verstehen weitgehend unmöglich machten und dazu äußerst verstörende Bilder mit Kindern lassen den Zuschauer völlig ratlos zurück. Dazu kamen wieder eine ungezügelte Brutalität, die man unter den Mitgliedern einer Polizeiwache keinesfalls vermuten würde und Figuren, deren Verhalten einzig von Gier und Willkür geprägt war. Überhaupt waren die handelnden Personen alles Ordnungshüter, die aber von Recht und Gesetz nicht das Geringste hielten, ausschließlich eigene Interessen durchzusetzen bemüht waren, sich gnadenlos bereicherten und schließlich bis aufs Blut bekämpften. Einfach unerträglich das Ganze.

Regisseur Dominik Graf ist bekannt für seine anspruchsvollen Filme und Drehbuchautor Günter Schütter hat schon so manche Polizeiruf-Geschichte geschrieben. Auch an der Qualität der Schauspieler, allen voran Verena Altenberger und Wolf Danny Homann, kann es ebenfalls nicht gelegen haben. Was also ist der Grund für ein derart schlechtes Ergebnis? Wissen deutsche Filmemacher nicht mehr, wie man gute Krimis macht? Schielen sie vielleicht einfach zu sehr auf die Meinungen von Jurymitgliedern, die den ein oder anderen renommierten Preis zu vergeben haben? Zählt der Zuschauer nicht mehr? Dem Publikum muss der Film gefallen, nicht der Kritik! Das und nur das sollte bei der Produktion ausschlaggebend sein! /sis

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