Einfach nur schwach!

Kritik zum Tatort „Das Monster von Kassel“
ARD/HR Tatort “Das Monster von Kassel”: Gerichtsmedizinerin (Barbara Stollhans, li.), Constanze Lauritzer (Christina Große) und Paul Brix (Wolfram Koch) begutachten einen Plastiksack mit Leichenteilen. (Foto: HR/Degeto/Bettina Müller)
Paul Brix (Wolfram Koch), Anna Janneke (Margarita Broich, Mitte) und ihre Kasseler Kollegin Constanze Lauritzen (Christina Große) geben den Stand der Ermittlungen nach Frankfurt durch. (Foto: HR/Degeto)

Der Titel “Das Monster von Kassel” ließ auf den ersten Blick vermuten, dass der neue Tatort aus Frankfurt mit dem Ermittlerduo Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) erneut einen Ausflug in die Welt der Psychopathen unternehmen würde. Doch es ging diesmal nur nach hessisch-Sibirien, ins nordhessische Kassel. Und der Täter Maarten Jansen (Barry Atsma), der sich selbst als Monster von Kassel bezeichnete, war auch nichts weiter als ein alberner Profilneurotiker. Als Talkmaster mit eigener Fernsehshow war er um Quote bemüht, nahm die Ermordung seines Stiefsohnes als willkommene Gelegenheit, sich als armes Opfer zu inszenieren und legte eine Oscar reife Trauerrede an sein Publikum hin. Und das, obwohl er selbst die Gräueltat begangen, mit einer Axt die Leiche zerstückelt und in Plastiksäcken verpackt so abgestellt hatte, dass die sie auf jeden Fall gefunden wurde. Ziel der umständlichen Aktion war es, die Tat einem anderen Täter mit ähnlichem Tathergang unterzuschieben. All das war dem Zuschauer von Anfang an bekannt, was dem Fall komplett die Spannung raubte. Da half es auch nicht, dass das Verhör des Täters in einzelnen Etappen eingestreut wurde. Den Ermittlern dabei zuzuschauen, wie sie einen dem Zuschauer längst bekannten Täter suchen, ist nun einmal wenig erquicklich. Da bedarf es schon richtiger Überraschungen. Die aber fehlten in der Geschichte der Drehbuchautoren Stephan Brüggenthies und Andrea Heller, die mit dem smarten Promi lediglich ein Klischee bedienten. Nicht einmal das Motiv für den Mord war stark genug. Jansens Stiefsohn war ihm hinter seine Verhältnisse mit zahlreichen Frauen gekommen, die sich mehr oder minder freiwillig auf seine Sexspielchen eingelassen hatte, darunter eine Nachbarstochter und Freundin seines Stiefsohnes. Nur musste der Täter gar nicht mit Konsequenzen rechnen, die einen Mord mit dieser bestialischen Leichenbeseitigung begründet hätten. Die Frauen schwiegen oder litten stumm. Und selbst wenn das Stiefsöhnchen seine Mutter und Ehefrau des Täters eingeweiht hätte, wäre allenfalls seine Ehe gefährdet gewesen, nicht aber sein Leben auf der Überholspur. Am Ende konnte das selbsternannte Monster nicht einmal überführt werden, lagen doch einfach keine handfesten Beweise gegen ihn vor.

Eine schlüssige Geschichte spannend erzählt benötigt keine langatmigen Erläuterungen, etwa welche Zahlbürstenfarbe wer in der Familie bevorzugt oder einen Kommissariatsleiter, der seine Leute mit poetischen Lebensweisheiten beglückt oder sie als Tanzpartner bemüht. Etliche Szenen waren schlicht überflüssig und hätten getrost gestrichen werden können, wie am besten gleich der ganze Film! /sis

Constanze Lauritzen (Christina Große, li.), Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) finden die Zunge des Mordopfers. (Foto: HR/Degeto)

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