Ein wenig zu viel des Guten

Kritik zum Tatort Franken „Ein Tag wie jeder andere“
ARD/BR Tatort “Ein Tag wie jeder andere”: Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Kriminalkommissar Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt) betrachten die Leiche von Katrin Tscherna (Katharina Spiering). (Foto: BR/Hendrik Heiden/Claussen + Putz).

Rache ist immer ein starkes Motiv, auch wenn im fünften Tatort aus Franken der Aspekt ein wenig überbetont wurde. So war der Haupttäter Martin Kessler (Stephan Grossmann) einfach zu rachsüchtig, der beschuldigte Molkereibesitzer Rolf Koch (Jürgen Tarrach) dagegen zu emotionslos und der durch die Entführung seiner Tochter zu den Morden gezwungene Rechtsanwalt Thomas Peters (Thorsten Merten) doch ein wenig zu bereitwillig. Nun ist es natürlich in fantasievollen Geschichten durchaus erlaubt, ein wenig zu übertreiben, aber manchmal ist es eben ein Quäntchen zu viel des Guten. So auch in diesem Tatort, in dem dafür das Ermittlerteam Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) wiederum ein wenig zu blass blieben. Daran änderte auch Voss‘ herbe Ansprache nichts, in der er dem gesamten Team recht lautstark erklärte, dass Recht für alle gilt, eben auch für Täter, was immer sie auch getan haben mögen. Und Hauptkommissarin Ringelhahn wiederum wirkte ein wenig zu abgebrüht, nachdem sie Rechtsanwalt Peters durch einen tödlichen Schuss daran gehindert hatte, einen dritten Mord zu begehen. Überhaupt waren die Kommissare zu leichtfertig bereit, ein Leben zu opfern, um das entführte Mädchen zu retten. Welches Leben ist denn mehr wert?

Ein wenig verwirrend waren die Rückblenden, die dem Zuschauer die Ursachen des aktuellen Geschehens erläutern sollten. Dass es sich um Rückblenden und nicht etwa um Szenen der laufenden Geschichte handelte, war indes nicht immer gleich erkennbar. Etwas konstruiert wirkte schließlich auch die Auflösung des letzten Mordes, in der sich Kesslers Exfrau (Karina Plachetka) unter anderem Namen als Sekretärin des Polizeipräsidenten Zugang zu Kessler und so die Möglichkeit verschafft hatte, den Verursacher allen Unglücks zu ermorden.

Und doch handelte es sich hier endlich wieder einmal um einen ausgesprochen gefälligen Tatort, der mit einer spannendenden Geschichte auch kritische Zuschauer zu überzeugen wusste. Dazu trugen nicht zuletzt die Szenen im Bayreuther Festspielhaus mit Richard Wagners bombastischer Musik bei. /sis

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