Ein Fall für Verschwörungstheoretiker

Kritik zum Tatort „Krieg im Kopf“
ARD/NDR Tatort “Krieg im Kopf”: War Roman (Anton Hüsgen) Zeuge eines Verbrechens? (mit Maria Furtwängler und Florence Kasumba) (Foto: NDR/Manju Sawhney)
Was hat Professor Bloch (Joachim Bißmeier) mit den Vorfällen zu tun? Anais (Florence Kasumba) und Charlotte (Maria Furtwängler) tappen noch im Dunkeln. (Foto: NDR/Manju Sawhney)

„Krieg im Kopf“ ist der Titel des neuen Tatorts aus Göttingen mit dem ungleichen Kommissarinnen-Duo Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und Anais Schmitz (Florence Kasumba). Krieg herrschte indes nicht nur in den Köpfen der von Drehbuchautor Christian Jeltsch erdachten Figuren, sondern auch zwischen den Ermittlerinnen, die jede für sich und nur selten gemeinsam den Mörder der Ehefrau von Bundeswehrsoldat Benno Vegener (Matthias Lier) suchten. Der Fall führte die beiden gleich am Anfang in eine bedrohliche Situation, in der Anais Vegener erschießen muss, um Charlotte zu retten. Vegener stammelte von Stimmen in seinem Kopf, die ihn jagten. Tatsächlich waren Vegener und neun Kameraden Opfer eines bei einem Einsatz in Mali fehlgeschlagenen Experimentes der Waffenindustrie. Durch Manipulation über einen Spezialhelm starben sechs der Soldaten, von den vier Rückkehrern brachten sich zwei gleich um, die einzige Soldatin überlebte ihren Selbstmordversuch nur knapp. Mit Vegeners Tod schien auch der letzte Zeuge des missglückten Einsatzes und vermeintliche Mörder seiner Frau beseitigt. Nur Charlotte ließ sich nicht beirren und ermittelte trotz massiver Gegenwehr des Militärischen Abschirmdienstes weiter. Wie nicht anders zu erwarten, löste sie am Ende den Fall, keine Frage, und es gelang ihr sogar die Machenschaften des Militärs publik zu machen.

Soweit die recht wirre Story mit starkem Hang zu düsteren Zukunftsvisionen. Zu viel Science Fiction, zu viel Chaos in den Köpfen, zu viel Zickenkrieg und dann auch noch Anais’ Ehemann, der seine Finger nicht von Charlotte lassen konnte, machten diesen Tatort zu einer Herausforderung für den Zuschauer. Spannend war nur der Beginn, der Rest war doch eher was für Science-Fiction-Liebhaber und Verschwörungstheoretiker als für wahre Krimifans. Mit Wehmut denkt man an alte Fälle der LKA-Ermittlerin wie „Wegwerfmädchen“ und „Das goldene Band“, „Mord in der ersten Liga“ oder auch „Pauline“ zurück. Das waren starke Geschichten, rätselhaft und spannend zugleich, mit dem großartigen Ingo Naujoks als Mitbewohner und Freund Martin Felser an der Seite der taffen und doch verletzlichen Charlotte Lindholm. Die neueren Tatorte können da ganz einfach nicht mithalten. /sis

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