Wer durchhält, wird belohnt

Rezension “Operation Rubikon” von Andreas Pflüger

Man braucht schon etwas Geduld, bis man sich in den Thriller „Operation Rubikon“ aus der Feder des bekannten Drehbuchautors Andreas Pflüger eingelesen hat. Zu viele Figuren sind im Spiel, deren jeweilige Lebensgeschichte ein wenig zu breit erzählt wird. Zu viele Schauplätze mit zum Teil schwierigen ausländischen Namen erschweren den Durchblick. Und nicht zuletzt eine Flut von Abkürzungen machen es dem Leser nicht leicht, sich in der Vielzahl von staatlichen Behörden zurecht zu finden, die gegen organisierte Kriminalität mit all ihren Auswüchsen wie Geldwäsche, Korruption, Erpressung und Mord, antreten. Am Ende des fast 800 Seiten umfassenden Wälzers findet sich zwar ein Abkürzungsverzeichnis, allerdings macht es das Lesen nicht zu einem Vergnügen, wenn man ständig nachschauen muss, was denn gleich noch mal „ST“ bedeutet. Und so quält man sich förmlich durch die ersten 400 Seiten, blättert zurück, sucht Zusammenhänge, fängt ganze Kapitel immer wieder von vorne an, natürlich in der Hoffnung, dass noch etwas Überraschendes kommt. Zu oft wechselt der Autor die Perspektive, die zum Ausdruck gebrachte Brisanz einzelner Situationen vermittelt sich dem Leser zu häufig nicht. Und dennoch wird der Leser nicht enttäuscht, denn die restlichen 400 Seiten sind aller Mühe wert. In der zweiten Hälfte des Buches gelingt es dem Autor dann doch noch, eine emotionale Bindung zwischen seinen Figuren und dem Leser herzustellen, die es möglich macht, mit den Protagonisten zu leiden und zu hoffen, dass am Ende doch noch alles gut ausgeht. Das Ende allerdings ist nach fast 800 Seiten Beschreibungen bis ins kleinste Detail etwas zu knapp geraten.

Die Geschichte rankt sich um die bei der Bundesanwaltschaft tätige junge Staatsanwältin Sophie Wolf, die mit ihrem ersten richtigen Fall in einen Strudel internationaler organisierter Kriminalität gezogen wird, die bis in höchste Regierungskreise reicht. Dabei trifft sie auf ihren Vater, den mächtigen und allseits verehrten Präsidenten des Bundeskriminalamtes Richard Wolf. Das Verhältnis der beiden ist denkbar schlecht. Als dann aber Sophies Spezialeinsatz, bei dem illegale Waffengeschäfte gestoppt werden sollen, in einem wahren Desaster endet, hält Vater Richard seine schützende Hand über sie. Gemeinsam kämpfen sie gegen ein neues Kartell, das den internationalen Waffen- und Drogenmarkt erobern will. Der Chef des Kartells schafft es dabei bis in die Spitze der Bundesregierung und es gelingt ihm, alle wichtigen Schaltstellen der Verbrechensbekämpfung mit seinen Leuten zu infiltrieren. BKA-Präsident Wolf gründet die geheime Gruppe Rubikon, in der eine handvoll vertrauenswürdige Mitarbeiter zusammen mit Sophie gegen den skrupellosen Verbrecher und seine Schergen antreten.

Das Buch „Operation Rubikon“ erschien 2004 im Herbig Verlag und wurde 2016 vom Suhrkamp Verlag neu aufgelegt. Andreas Pflüger arbeitete fünf Jahre an diesem Buch und er schrieb auch das Drehbuch zum gleichnamigen Film.

Biographische Angaben
Andreas Pflüger: Operation Rubikon
Suhrkamp Taschenbuch, 2016, 798 Seiten
ISBN: 978-3-518-46740-4

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