Sämtliche Probleme der Gegenwart in einem Tatort

Kritik zum Tatort Berlin „Das Leben nach dem Tod“
ARD/rbb Tatort “Das Leben nach dem Tod”: Robert Karow hat wochenlang neben einer Leiche gelebt und nichts bemerkt. Obwohl er nie Kontakt zu dem Mann hatte, betritt Karow spontan die Nachbarwohnung und erklärt sie zum Tatort. Über eine Einbruchserie von jungen Mädchen geraten Karow und Rubin an eines ihrer Opfer, den ehemaligen Richter a.D. Gerd Böhnke (Otto Mellies), der in der DDR die Todesstrafe verhängte. Gibt es von ihm zu dem Mord eine Verbindung? – Im Supermarkt hat sich Richter Gerd Böhnke verschanzt, wird Nina Rubin (Meret Becker) ihren Kollegen Karow (Mark Waschke) überzeugen dort hineinzugehen? (Foto: rbb/Marcus Glahn)
Staatsanwältin Jennifer Wieland (Lisa Hrdina) folgt Hauptkommissarin Nina Rubin (Meret Becker) zu einer Leichenschau. (Foto: rbb/Marcus Glahn)

Mit zwei Worten lässt sich der Tatort aus Berlin mit dem Titel „Das Leben nach dem Tod“ mit den Kommissaren Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) wohl am besten beschreiben: ekelhaft düster! Kein Sonnenstrahl erleuchtete diesen mit tausenden Fliegen und Maden beginnenden Krimi, der sich wieder einmal als wenig spannendes Psychodrama mit gehörigen Längen entpuppte. Zu viel Psycho, zu viel Drama, die Drehbuchautorin Sarah Schnier aus sämtlichen Alltags-Problemen der Gegenwart rekrutierte. Von Wohnungsnot über Vermieterwahnsinn reichte die Palette, von brutalen Jugendgangs und dem Wankelmut der Justiz bei ihrer Bestrafung, bis hin zur aktuellen Vereinsamung alter Menschen, die immer öfter wochenlang tot in ihrer Wohnung liegen und, nicht zu vergessen, die immer wieder gerne als Begründung für sämtliche Gräueltaten dieser Welt angeführte Biografie mit der besonderes schweren Kindheit. Alles wichtige Themen, keine Frage, jedes eine eigene Geschichte wert, aber viel zu viele, um sie alle in einen Tatort zu packen. Obendrein gab es noch eine gehörige Portion Geschichte aus den Bereichen Religion und DDR. Das Hauptthema, auf das sich auch der ungewöhnliche Titel bezieht, ging in diesem Wust naturgemäß nur grob angeschnittener Problemfelder völlig unter. Der Kern der Geschichte lag in einem nichtvollstreckten Todesurteil eines über 80-jährigen DDR-Richters (großartig gespielt von Otto Mellies) für einen Dreifachmörder. Der Täter nämlich lebte – nach einer Amnestie im Zuge der Wende – tatsächlich weiter, anonym und für Jahrzehnte unerkannt in einer Berliner Hochhaussiedlung – Tür an Tür mit Kommissar Karow.

Etwas unglaubwürdig war es schon, dass ein Hauptkommissar der Berliner Polizei in einem solchen Umfeld unmenschlicher Wohnmaschinen leben soll. Ebenfalls wenig glaubwürdig wurde dem Zuschauer eine blutjunge Staatsanwältin (Lisa Hrdina) auf der Durchreise vorgeführt, eine noch sehr mädchenhafte Frau, die wohl kaum bereits beide juristische Staatsexamen absolviert haben konnte, eine glatte Fehlbesetzung. Karow wiederum zeigte sich diesmal weniger impulsiv, dafür aber recht oberlehrerhaft mit leichtem Hang zur Theatralik, während seine Kollegin Rubin schon Ausschau nach neuen Ufern hielt, bekanntlich verlässt Meret Becker den Tatort. Und in diesem Zusammenhang bekam der Zuschauer zu guter Letzt auch noch ein bisschen Nachhilfe in Sachen Integration! Bildungsauftrag erfüllt, oberflächlich zwar, dafür aber allumfassend und äußerst gebührensparend in nur einem einzigen Tatort. Kann man mögen, muss man aber nicht! /sis  

Nina Rubin (Meret Becker) überrascht Karow (Mark Waschke) in einem Moment der Einsamkeit und Trauer. (Foto: rbb/Marcus Glahn)

 

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