Nicht gerade kreative Ermittlerarbeit

Polizeiruf 110: Der Fall Sikorska – Die Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) stoßen bei ihren Recherchen auf einen alten Fall. (Foto: rbb/Oliver Feist)
Aktuelle Kritik zum Polizeiruf 110: Der Fall Sikorska

Eigentlich erwartet der Zuschauer gewiss zu Recht von einem Sonntagabend-Krimi, ob nun Tatort oder Polizeiruf 110, in erster Linie spannende Unterhaltung. Was Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und ihr polnischer Kollege Kriminalhauptkommissar Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) aber im Polizeiruf 110 aus Frankfurt an der Oder zu bieten hatten, war allenfalls lahme Polizeiarbeit, die in erster Linie aus ziemlich viel Fußarbeit bestand. Die beiden Kommissare marschierten meist getrennt von einer Befragung zur nächsten, nur um am Ende jeweils nicht mehr zu erfahren, als sie ohnehin schon wussten. Kreativität bei den Ermittlungen, die Verdächtigen in die Enge treiben, sie vielleicht wütend zu machen und damit zu Fehlern zu zwingen, also all das, was einen guten Krimi ausmacht, fehlte im “Fall Sikorska”! Befragung reihte sich an Befragung und so hatte es der Zuschauer zum Schluss mit einem Heer von Mitwirkenden zu tun, die zum Teil mit nur einer Information in winzigen Nebenrollen aufgetaucht waren.

Inhaltlich ging es um Gewalt an Frauen. Das Klischee vom alternden Mann, hier der Arzt Gerd Heise (Götz Schubert), mit besonderem Interesse für junge Mädchen wurde bedient nach dem Motto: besser sie tut was er sagt, will sie seine sexuellen Übergriffe lebend überstehen. Dazu gab es eine Ehefrau (Lina Wendel) die partout das Offensichtliche nicht sehen wollte. Heise hatte in beiden Fällen im wahrsten Wortsinn „seine Finger im Spiel“. Er reagierte auf sämtliche Anschuldigungen aber merkwürdig gelassen und entpuppte sich am Ende tatsächlich nur als einer von zwei Mördern. Der andere, der ein junges Au-pair-Mädchen ermordet hatte, war nichts weiter als ein unreifes Bürschchen (Filip Januchowki) auf dem gleichen Trip. Die beiden Fälle wurden dem Zuschauer bis zum Schluss als zusammenhängend verkauft, obwohl sie gar nichts miteinander zu tun hatten. Doch nicht nur das enttäuschte, sondern auch die fehlende Erläuterung des Motivs: Gerd Heise wurde zwar des Mordes an seiner Stieftochter überführt, warum er sie aber umgebracht hat, blieb im Dunkeln. War es ein Unfall? Hat die Stieftochter ihn erpresst? Oder wollte sie nicht, wie er wollte?

Auch die Twitter-Gemeinde verlor immer wieder die Lust am Bildschirmgeschehen und beschäftigte sich vermehrt mit Nebensächlichkeiten, die deutschen Untertitel beispielsweise, oder sie dachten darüber nach, ob im deutsch-polnischen Grenzgebiet wirklich so perfekt zweisprachig gelebt wird. Und natürlich fehlte vielen immer noch Horst Krause auf seinem knatternden Motorrad mit Hund im Beiwagen. Der Ansatz des länderübergreifenden Ermittlerteams ist zwar nicht schlecht, aber Kollege Adam Raczek fehlt es an Ausstrahlung und das Paar Lenski/Raczek will einfach nicht so recht zusammenpassen. Schade eigentlich!

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